Komische Oper - Cendrillon

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Komische Oper - Cendrillon

      Gestern also Massenets "Cendrillon" mit dem schon vorweihnachtlichen Familienpublikum in der Komischen Oper, vom Bonbonpapier übers Gequatsche, sich unterhaltenden Zuspätkommern in der Reihenmitte, schamloses Husten bis hin zu Klettverschlüssen und Handtaschenspielen war alles dabei. Man hätte wahnsinnig werden können über den beständigen Störpegel. Dagegen war die Kindergruppe wenige Reihen hinter mit richtig still.

      Gut, dass die Inszenierung von Damiano Michieletto aus der letzten Saison noch frisch ist.Sie verlegt die Aschenputtel-Geschichte sehr gekonnt in die Welt der Balletts. Cendrillon mit Beinschiene als Außenseiterin, Wahl der Primaballerina, Neid unter den Ballerinen, Ballettschuhe usw. Das muss man gesehen haben, das ist wirklich sehr gut und fesselnd gemacht, vor allem weil es mit der Musik inszeniert ist. Paolo Fantins wandelbarer Ballettsaal schaft gute Atmosphäre. Sicherlich eine der besten Inszenierungen des Hauses, eine die sich nicht vordergründig mit Glitterfaktor oder aber überzogenem Betroffenheitspathos anbiedert.

      Musikalisch hatte der neue Chef, Ainārs Rubiķis, die Leitung. Sehr laut, sehr robust und wenig charmant (ob 9 erste und 9 zweite Geigen und 4 Kontrabässe für den Raum der Komischen Oper für diess Stück wirklich sein müssen? Eher nicht). Da verströmt die Partitur kein Parfum, schwebt nichts und ist jeder Bläserakzent sofort ein Ausbruch. Selbst da wo ein Piano versucht wird, bleibt der Ansatz hart und polternd. Das zauberhaft Schwebende der Feenszenen, die weitgefasste Lyrik des Duetts mit dem Prinzen im 2.Akt, das leichgewichtig-humoreske Defilée des 4. Aktes, all das findet bei Rubikis nicht statt. Die große Cendrillon-Szene im 3. Akt zerfällt, findet keine Form. Man würde nicht auf Massenet kommen, wenn man das so hört. Zudem wackelt es immer wieder im Orchester, klingen Phrasen nicht zu Ende gedacht und die (studentische?) Oboe, die so viel zu tun hat, hat vom französischen Idiom offenbar noch nicht viel gehört. Das Blech könnte auch in einer Militärkapelle gut mitspielen. Der Chor auf der Bühne wackelt musikalisch immer wieder gewaltig, das ist schon beängstigend in der immerhin 4. Aufführung dieser Serie.

      Nadja Mchantaf spielt und singt eine gute Cendrillon, sicher mit leichter Begrenzung in der Höhe, wo sie Stimme etwas enger wird. Macht sich da schon der Blödsinn, sie als Tatjana und Rusalka zu besetzen, bemerkbar? Aber insgesamt grundsolide lyrisch. Ihr Prince Charmant ist Karolina Gumos, bei der ich mich immer frage, wieso sie mit ihrem schönen und sicher geführten Material immer so einen anonymen Eindruck bei mir hinterlässt. Freilich etwas wenig Farbspiel ist in ihrer Tongebung und mir fehlt das Verführerische des Mezzos. Die Fee sang (einspringender Weise?) Georgina Melville aus dem Opernstudio, so wie das eine talentierte, junge aber eben auch wenig erfahrene Sängerin macht. Zuverlässig und achtbar (aber halt auch ohne den feinen Höhenzauber dieser Partie, ohne fragilité). Ob das eine Opernstudio-Partie ist...? - Streng genommen gab es nur eine stilsichere Sängerin: die wunderbare Doris Lamprecht, die trotz gealterter Stimme eine Textbehandlung und Artikulation hatte, wie man sie sich in diesem Repertoire nur wünschen kann. Bei ihrer Madame de la Haltière sitzt jede vokale Pointe, klingen souverän Details durch, hört man plötzlich tatsächlich eine französische Oper. Erstaunlich flexibel und anrührend auch der Alberich erprobte Pandolfe von Werner van Mechelen, mit erstaunlich beweglicher Stimme und schönen Piani. Der Vollständigkeit halber seien noch Mirka Wagner und Marta Mika als Schwestern und Carsten Sabrowski als König erwähnt.