Die Wiederaufnahme einer Übernahme: Arabella

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    • Die Wiederaufnahme einer Übernahme: Arabella

      Als Wiederaufnahme der Übernahme von den Osterfestspielen bot am 7. Dezember 2018 die Semperoper eine recht ordentliche Arabella-Aufführung.

      Im November 2014, als die Gesellschaft der Freunde der Staatskapelle noch eine übersichtliche Gruppe war, hatte der Technik-Direktor der Semperoper zu einer Besichtigung seines Tätigkeitsbereiches eingeladen. Während des Rundganges wurden gerade aus einem Transporter die zurückgeführten Bühnenaufbauten der Arabella entladen und Jan Seeger erklärte mit einem gewissen Stolz, welche Segmente des von Martina Sagna für die Felsenreitschule erdachten und in den Staatschauspiel-Werkstätten gebauten gewaltigen „Verschiebebahnhof“ für die hiesige Übernahme der Inszenierung auf der deutlich kleineren Bühne des Hauses in Wegfall kommen werden.

      Bei den Osterfestspielen galt es vor allem wegen der Bühnengröße die Klangbilder zusammen zufassen, was in Dresden eigentlich nicht von Nöten ist.

      Nun wurden die Bühnenaufbauten nach 2015 für drei weitere Aufführungen aus der Einlagerung geholt.

      Die Inszenierung der Florentine Klepper hatte 2014 etwas irritiert, da sie die Handlung um etwa 50 Jahre nach vorn verlegte. Das ermöglichte ihr aber, das Stück als Plädoyer für die erotische Selbstbestimmung der Frau,als Plädoyer für das Recht auf kompromisslose Liebe ohne Wenn und Aber einschließlich auch der Pflicht zum Verzeihen zu gestalten. So wurde aus der Hofmannthalschen Komödie im Grunde ein emanzipatorisches Frauenstück.

      Die Titelrolle gestaltete Camilla Nylund mit ihrem feinen doch sehr kräftigen Sopran und überzeugender Darstellung. Mit einem von Innen kommenden Selbstbewusstsein erreicht sie, nur den für sie „Richtigen“ heiraten zu können. Mit ihrem noblen Sopran und ihrer Bühnenpräsenz setzte sie immer wieder richtige Akzente im Geschehen.

      Mit einem blitzsauberen silbernen Sopran gestaltete die in Kirgistan geborene Katharina Konradi die doch etwas tragische Rolle der verkleideten Zdenka. Mit einer natürlichen, sympathischen Darstellung wirkte sie immer glaubhaft. Rührend die Dringlichkeit, mit der sie um die scheinbar vergeblicheLiebe zum Matteo ringt.

      Der Mandryka von Bo Skovhus wirkt gesanglich und darstellerisch mitunter etwas zaghaft, als ob er die Unsicherheit des Provinzlers in der Kaiserstadt Wien zum Ausdruck bringen wollte.

      Der Offizier Matteo wird von Thomas Blondelle mit einem gewissen, aber zur Rolle passendem Überengagement gesungen.

      Die Eltern Kurt Rydl als Graf Waldner und Christa Mayer als besorgte Mutter Adelaide bildeten das dritte Paar auf der Bühne. Christa Mayer war in jeder Hinsicht gesanglich und darstellerisch die Dame von Adel, die mit mütterlicher Sorge und Kontenance immer besorgt auf Etikette und Ansehen bedacht, alles im Gleichgewicht zu halten.

      Eine komödiantische Leistung der besonderen Art bot Kurt Rydl mit seiner köstlichen Charakterstudie voller Witz und Ironie, wenn er immer wieder das frisch erhaltene Geld zählt, aber umgehend wieder verspielt.

      Olga Pudova gilt als eine der aufregendsten Koloratursopranistinnen unserer Zeit. Ansonsten als Königin der Nacht im Hause tätig, gab sie mit der Fiakermilli ihr gelungenes Rollendebüt. Uns beglückte sie mit einer prachtvollen sängerischen und darstellerischen Leistung.

      Aber auch die Rollen der weiteren Bewerber um die Hand der Arabella fügten sich mit Martin-Jan Nijhof als Graf Dominik, Patrik Vogel als Graf Elmer und Alexandros Stavrakakis (seit 2018 im Ensemble)als Graf Lamoral in die Qualität der Aufführung mit ordentlichem Gesang ein.

      Sabine Brohm war eine präsente Kartenlegerin.

      Recht dezent rundete der massive Chor den optischen Eindruck der Aufführung ab.

      Naturgemäß waren die Erwartungen hoch, wie Asher Fisch die Musikalische Leitung bewältigen wird, haben doch viele noch die Aufführungen von 2014 und 2015 im Ohr.

      Andererseits hat Asher Fisch, seit er 2010 nach der überstürzten Flucht Fabio Luisis das Dirigat des Siegfried übernommen und bravurös bewältigt hatte, bei den Dresdenern einen Stein im Brett. Seit dem dirigierte er mehrfach das Wagner-Repertoire, Rigoletto und Maskenball im Hause; er und die Musiker kennen sich damit bestens.

      Damit war es ihm möglich, seine Intensionen bei seinem ersten Strauss-Einsatz im Hause mit dem ihm auch folgendem Orchester ordentlich umzusetzen.

      Leider kam aber die in Dresden häufig erlebte Harmonie zwischen Graben und Bühne insbesondere im ersten Aufzug zu kurz. Oft wurde regelrecht nebeneinander musiziert und es blieb der Wunsch, dass bei leiserem Gesang das Orchester hätte zurück genommen werden sollen.

      Die Ovationen waren herzlich und heftig, aber erstaunlich kurz.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von thomathi ()

    • thomathi schrieb:

      Die Inszenierung der Florentine Klepper hatte 2014 etwas irritiert, da sie die Handlung um etwa 50 Jahre nach vorn verlegte. Das ermöglichte ihr aber, das Stück als Plädoyer für die erotische Selbstbestimmung der Frau,als Plädoyer für das Recht auf kompromisslose Liebe ohne Wenn und Aber einschließlich auch der Pflicht zum Verzeihen zu gestalten. So wurde aus der Hofmannthalschen Komödie im Grunde ein emanzipatorisches Frauenstück.
      Lieber thomathi, das ist ja gerade der Gag an der Geschichte! Daß sich Arabella entgegen den damals gültigen Konventionen verhält. Es geht gerade noch, die Handlung um 50 Jahre (vor den 1. Weltkrieg) vorzuverlegen, später wäre es völlig unsinnig. Denn, daß die Handlungsweise der Arabella um 1860 ungewöhnlich ist, darum ging es ja den Autoren! Für das Verständnis der Handlung ist diese Zeitverschiebung völlig unerheblich. Warum also?

      thomathi schrieb:

      Der Mandryka von Bo Skovhus wirkt gesanglich und darstellerisch mitunter etwas zaghaft, als ob er die Unsicherheit des Provinzlers in der Kaiserstadt Wien zum Ausdruck bringen wollte.
      "Ich bin halt ein rechter Bauer", insofern paßt es. Andrerseits ist er sich seines Reichtums und damit seines Einflußes sehr wohl bewußt.
    • Wir haben beide Arabella-Vorstellungen besucht, können aber den Fettdruck-Satz der Frau Lehmann nicht bestätigen. Wir fanden das Dirigat von Asher Fisch weitgehend undifferenziert und zuweilen zu laut. Bezüglich des Zusammenwirkens von Graben und Sängern war auch wenig zu spüren.
      Der Abend vorher hatte uns gezeigt, was da möglich wäre und was die Musiker der Staatskapelle können.
    • Der Verschiebebahnhof macht Probleme


      In der Arabella am Donnerstag:

      Als der Verschiebebahnhof der Martina Segna im letzten Aufzugaus dem Vorraum des Ballsaals wieder einen Salon machen sollte, knackte es vernehmlich im Bühnenaufbau und der linke Teil der Salonrückwand bewegte sich nicht weiter.

      Frau Nyland musste durch eine Mauerritze die Szene betreten und in einer Vertiefung das berühmte Glas des reinen Wassers entgegen nehmen.

      Schier unbeeindruckt lief die Handlung weiter, bis dann Rafael Harnisch vom Staatsopernchor mit einem kräftigen Faustschlag ein widerspenstges Brett wieder in seine Lage brachte und der Salon komplettiert werden konnte.

      Eigentlich hätte der „ Spontan-Handwerker“ einen Vorhang verdient gehabt.
    • thomathi schrieb:

      Eigentlich hätte der „ Spontan-Handwerker“ einen Vorhang verdient gehabt.
      Da fällt mir ein Witz über einen polnischen Automechaniker ein:
      Jemand bringt sein defektes Auto in die Werkstatt. Der polnischer Automechaniker kriecht unter das Auto, haut mit dem Hammer drauf - und siehe da, das Auto läuft.
      Er verlangt 200 Euro. Der Besitzer des Autos sagt empört: "Was? 200 Euro für nicht mal eine Minute Arbeit?" Darauf anwtortet der Mann: "Gemachte klopp ist 1 Euro, gewußt wo 199.-"