Hoffmanns Erzählungen

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    • Hoffmanns Erzählungen

      Vorstellung am 8.12.18: Nahezu ausverkauft, Publikum eher gesetzt und für die Deutsche Oper verhältnismäßig betagt. Dann Szenenapplaus für die Bühnenmaschinerie mitten in die Olympia-Arie hinein, frohes Lachen über alte Theatertricks, als wäre man in der MET. Bravorufe für das Orchester nach der ersten Pause, dann ein erstaunlich kurzer Schlussapplaus, schließlich war es kurz vor halb 12 und man wollte nach Hause. Wie überhaupt nach der 2. Pause einige Besucher nicht mehr antraten. Zur Bühne: Inszenierung praktikabel, visuell mit manchen guten Ideen, Personenregie lässt sich nur da umsetzen, wo Sänger auch mitziehen. Musikalisch: Ich hatte vom Dirigat mehr erwartet nach all den Lobpreisungen der Presse. Mir war manches zu zerdehnt (Olympia-Arie, Barcarole), einiges dann wieder gehetzt, mir fehlte es an Fleisch, Tragik, Dramatik kamen zu kurz. Gesanglich kein Meilenstein. Pasaroiu wie erwartet am besten in der Olympia-Rolle, mit Problemen beim dramatischen Antonia-Finale und als Giulietta überhaupt nicht in die Rolle kommend. Optisch im 4. Akt eine Katastrophe, wie sie versuchte, die Figur mit laszivem Leben zu füllen, stimmlich hinter den Anforderungen zurück. Der schmucke Johansson als Hoffmann mit eher eindimensionalem Gesang, der hörbar an seine Grenzen kam. Esposito gefiel mir insgesamt am besten durch sehr lebendiges und auch ironisch-übersteigertes Spiel, in den Dialogen durch Boshaftigkeit und gesanglich durch ein hohes Maß an Geschmeidigkeit. Und dann passierte, womit ich nicht gerechnet hatte - am Schluss dann Buhs sowohl für Hoffmann als auch den Dirigenten. Dass ich das in der DOB noch erleben darf...gerechtfertigt fand ich es nicht unbedingt, aber auch ein legitimes Zeichen dafür, dass man eben doch nicht mit allem zufrieden sein muss bei D-Preisen in einer Premierenstaffel, die besser hätte sein dürfen.
    • ira schrieb:

      Waedliman schrieb:

      frohes Lachen über alte Theatertricks, als wäre man in der MET.
      Da haben Sie völlig recht, nur sollte man das auch mal von der anderen Seite sehen. Wenn man in so mach anderen Fällen lacht, dann oft nur Hohn. Und nicht froh.
      Das Verwenden 'alter Theatertricks' ist sicher nicht den extrem konventionellen Regisseuren vorbehalten - im Grunde basiert doch jede Inszenierung darauf... Es ist, wie immer, eine Frage der Umsetzung.
      ... Wunder warten bis zuletzt.
    • Gerade richtig: Offenbachs „Les Contes d’Hoffmann“ an der Deutschen Oper
      Eine schöne und grundgescheite und gerade richtig dicke Inszenierung in ihren besten Jahren ist das. Denn mit den neuen Les Contes d'Hoffmann in der Regie von Laurent Pelly hat die Deutsche Oper sich nicht die Katze im Sack gekauft, sondern eine Art Karlsson von allen Dächern, die bereits von Lyon bis San Francisco lief...

      hundert11.net/gerade-richtig/
    • Dann sag ich jetzt mal, das hier klingt für mich auch nicht gerade nach Toleranz:

      Waedliman schrieb:

      Dann Szenenapplaus für die Bühnenmaschinerie mitten in die Olympia-Arie hinein, frohes Lachen über alte Theatertricks, als wäre man in der MET.
      Gerade durch Toleranz zeichnen sich die Anhänger des sog. "RT" nämlich genau nicht aus, fordern sie aber von der anderen Seite permanent ein.
      Toleranz bedeutet, daß man die Auffassungen des anderen respektiert. Toleranz bedeutet aber nicht, daß ich mich der anderen Meinung anzuschließen habe und tolerant zu sein, heißt auch keineswegs, daß ich nicht versuchen dürfte, gegenüber den Andersdenkenden zu argumentieren und zu versuchen, sie von meiner Meinung zu überzeugen.
      Zum Thema Aufklärung: Friedrich der Große war durchaus ein Anhänger der Aufklärung, aber trotzdem ein absoluter Herrscher. Ebenso wie Joseph II.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von ira ()

    • Das ist aber ein heißes Thema!
      Toleranz bedeutet zunächst ja die Duldung einer anderen inneren Haltung zu einem Sachverhalt oder einer Meinung. So weit, so gut. Es ist aber doch erstaunlich, dass sehr viele (auch der hiesigen Teilnehmer_innen) doch ein ausgeprägtes Schwarz/weiß-Denken zeigen, Toleranz zwar einfordern, anderen aber nicht zubilligen. Das ist halt Diskussionskultur.
      Die Toleranz hat aber da Grenzen, wo aus dem Tolerieren und Schweigen (auch aus falscher Rücksicht oder falsch verstandener Höflichkeit ) die Gegenseite den Schluss zieht, richtig und im gesellschaftlichen Konsens gehandelt zu haben und keine Veranlassung sieht, die eigene Einstellung und Handlungsweise zu überdenken und ggfs. zu korrigieren. Die Toleranz ist für Einzelpersonen oder die Gesellschaft spätestens dann erschöpft , wenn rechtliche Konsequenzen gezogen werden können. Hier greift die Gesetzgebung und Rechtsprechung .
      Vergleichbar verhält es sich auch mit dem Verzeihen, weil die Gegenseite aus dem Verzeihen nicht die Grenze dessen erkennt, was akzeptabel, tolerabel oder verzeihlich ist. Hier kann regelrecht eine Eskalation inakzeptabler Handlungsweisen programmiert werden.
      Frage: Ist die zunehmende Darstellung und Verherrlichung von Gewalt in Fernsehen oder Kino noch tolerabel und zu verzeihen? Wie sieht es mit der Verherrlichung von Gewalt im Theater oder in der Oper aus? Ist es hinzunehmen, dass Regisseure und _innen solche Mittel nutzen, um auf sich aufmerksam zu machen? Ist der provozierte Skandal im Theater oder in der Oper zu Lasten von Minderheiten oder Opfern zu verzeihen, wenn sich aus der literarischen Vorgabe dazu keine stichhaltigen Gründe ergeben? Ist es eine Frage des persönlichen Geschmacks oder des gesellschaftlichen Konsenses? Die Aggressionsbereitschaft und im Einzelnen auch die Gewaltbereitschaft in der Gesellschaft sollte doch Grund genug sein, sich zu positionieren, wenn erforderlich sich zu distanzieren und nicht unter dem Schutzschild einer fraglichen Toleranz alles kritiklos hinzunehmen.
      Ein weites Feld!

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von parlando ()

    • parlando schrieb:

      Die Toleranz ist für Einzelpersonen oder die Gesellschaft spätestens dann erschöpft , wenn rechtliche Konsequenzen gezogen werden können. Hier greift die Gesetzgebung und Rechtsprechung .
      Elementar, Watson.

      parlando schrieb:

      Wie sieht es mit der Verherrlichung von Gewalt im Theater oder in der Oper aus? Ist es hinzunehmen, dass Regisseure und _innen solche Mittel nutzen, um auf sich aufmerksam zu machen?
      Oh, da hätte ich aber gerne ein Beispiel, wo im Theater oder in der Oper Gewalt "verherrlicht" wurde. (Bitte nicht verwechseln mit Gewalt "darstellen"; dargestellt wird sie z.B. eindrucksvoll in Inszenierungen von Bieito bis an die Grenze des Erträglichen.)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Reingold ()

    • Reingold schrieb:

      Oh, da hätte ich aber gerne ein Beispiel, wo im Theater oder in der Oper Gewalt "verherrlicht "wurde. (Bitte nicht verwechseln mit Gewalt "darstellen"; dargestellt wird sie z.B. eindrucksvoll in Inszenierungen von Bieito bis an die Grenze des Erträglichen.)

      Das ist doch ein prima Beispiel und für die Toleranzentwicklung bei den Zuschauer_innen!
      Dieses Stilmittel wird Bieito aktuell nicht mehr genutzt, wie die letzten Inszenierungen zeigten. Das wird auch seine Gründe haben, nicht nur in der Ästhetik.