Würdiger Ersatz für eine Konzertabsage einer legendären Aufführung

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    • Würdiger Ersatz für eine Konzertabsage einer legendären Aufführung

      Eigentlich waren wir für das 4. Symphoniekonzert der Saison 2018/19 der Staatskapelle auf die legendäre Interpretation der Geschwister Chung des D-Dur-Violikkonzert von Johannes Brahms eingestimmt.

      Das D-Dur-Violinkonzert von Johannes Brahms spielt die 1948 geborene Chung Kyung Wha inzwischen seit über 50 Jahren. Sie erklärt, dass es jedes Mal, wenn sie es anpacke ihr die Komposition frischer, aufregender und erstaunlicher erscheint.

      Ihr fünf Jahre jüngerer Bruder Chung Myung-whun ist als Erster Gastdirigent der Staatskapelle in Dresden bestens eingeführt.

      Leider musste das koreanische Geschwisterpaar aus gesundheitlichen Gründen ihre Mitwirkung absagen, so dass an ihrer Stelle hoffnungsvolle junge Interpreten und mit einem geänderten Programm die Staatskapelle ergänzen.
      Das Dirigat übernimmt der aus Freiburg stammende derzeitige Chefdirigent des Orquesta y Coro Nacionales de Espana David Afkham.
      Die aus Oslo stammende Vilde Frang wird das Beethoven-Violinkonzert als ihr Orchester-Debüt spielen.
      Im zweiten Konzertteil wird David Afkham statt Tschaikowski die siebte Symphonie von Antonin Dvorák interpretieren.

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    • Hier nun der Bericht zum Konzert:


      Eigentlich waren wir für das 4. Symphoniekonzert der Saison 2018/19 der Staatskapelle auf die legendäre Interpretation der Geschwister Chung des D-Dur-Violinkonzerts von Johannes Brahmseingestimmt.
      Der 1986 in Oslo geborenen Geigerin Vilde Frang hatte man mit dem Beethoven-Violinkonzert gewaltige Fußtapfen zur Beschreitung vorgegeben. Gehört das Konzert doch zu jenen Werken, die wir in sechzig Jahren Konzerthörens am häufigsten und von den hervorragendsten Interpreten dargeboten, erlebt hatten.
      An erster Stelle natürlich das Menuhin-Konzert am 10. September 1981 mit dem Gewandhausorchester Leipzig und Kurt Masur. Das Konzert war damals dem 50. Jahrestag gewidmet, als der 15-jährige Yehudi Menuhin gemeinsam mit Bruno Walter sich im später zerbombten Gewandhaus mit eben diesem Konzert vorgestellt hatte.

      Aber auch David und Igor Oistrach, Gidon Kremer, Leonidas Kavakos und viele Große und weniger Große der Zunft haben uns mit dem D-Dur Konzert für Violine und Orchester heftiger oder gedämpfter beeindruckt.

      Aber die Norwegerin nahm die Herausforderung an und erfreute mit einer beachtlichen Leistung.

      Mit schlanken, differenzierten Klängen nutzte sie den Einklang von Akustik des Semperoper-Raums und der Resonanz ihres Instruments, einer Geige von1866 aus der Werkstatt von Jean Baptiste Vuillaume. Gleichsam intim, ohne Heldentum und Massivität verließ sie sich auf ihr musikalisches Gespür.

      Da war schon eine ordentliche Erfahrung zu spüren, wie man eine Klangentfaltung meistert, wie der Raum die leisen Töne und wie sich der Nuancenreichtum im Beethovenschen Pianissimo bis an die Grenze zur Unhörbarkeit auch zur Geltung bringen lässt.

      Das war nicht jedermanns Geschmack, ragte aber auf jeden Fall, nicht zuletzt dank des der Virtuosität der Geigerin, aus der Fülle der üblichen Beethoven-Interpretationen.

      Das Orchester mit der Leitung des 1983 in Freiburg (Breisgau) in einer aus dem Iran stammenden Familie geborenen David Afkham umhüllte einfühlsam das zum Teil extrem zurück gehaltene Spiel der Solistin , stützte es aber, wo es angebracht war. Dabei gefielen vor allem die hervorragenden Holzbläser der Staatskapelle mit dem herausragenden Solo-Fagottisten Thomas Eberhardt.

      Als Zugabe spielte Vilde Frang das „Lied der Deutschen“ aus den Kaiserhymnen von Joseph Haydn.

      Für den zweiten Teil des Konzertes hatte sich David Afkham Antonin Dvořáks D-Moll-Symphonie Nr. 7 ausgewählt.

      Diese „böhmischste“ seine Symphonien verinnerlicht das Verlangen Antonin Dvořáks nach einem Nationalstaat. Folglich hatte der Komponist bevorzugt Volksmusik seiner Heimat als Ausdruck eines musikalischen Patriotismus verarbeitet. Entsprechend den Empfindungen seines Volkes lässt der Komponist tänzerische Rhythmen mit elegischen Stimmungen doch recht rasch wechseln.

      David Afkham nutzt seine präzise Orchesterführung und deutliche Ansprache an das Orchester, um die Dynamik und die Modulationen aus der Partitur publikumswirksam auch umzusetzen. Allerdings einige Schattierungen und Phrasen hätte man sich ausgeprägter gewünscht.

      Besonders im poco Adagio hätten die Übergänge Voraussetzungen für eine individuellere Gestaltung gegeben. Das Scherzo und das Finale wurden mit einer nahezu ausgewogenen Orchesterführung bewältigt. Lediglich dominierten im Finale die Streicher und überdeckten streckenweise die vom Komponisten angestrebte Wirkung der Holzbläser.

      Ich bin mir bewusst, dass diese Bemängelungen ein Meckern auf einem hohen Niveau ist und dass David Afkham ein hochbegabter Orchesterführer mit deutlicher Schlagtechnik ist, der auch präzise mit dem Orchester arbeitete.

      Aber in dieser Konzertreihe der Sächsischen Staatskapelle sind wir nun einmal Orchesterleiter vom Format eines Christian Thielemann, eines Herbert Blomstedt, eines Christoph Eschenbach, eines Danielle Gatti und eben eines Myung –Whun Chung gewohnt.

      Alle drei Konzerte waren, nicht zuletzt dank des verwöhnten DresdnerAbonnenten-Publikums ausverkauft und es wurde auch heftig applaudiert.