Hommage an die Wiener Philharmoniker

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    • Hommage an die Wiener Philharmoniker

      10 Tage lang ehrt das Konzerthaus die Wiener Philharmoniker. Noch bis zum 23.12. musizieren verschiedene Ensembles, außerdem gibt es einen Vortrag. Im Mittelpunkt stehen zwei Konzerte des Orchesters unter Riccardo Muti und Franz Welser-Möst. Gestern dirigierte Muti vor vollen Rängen ein umjubeltes Konzert. Zunächst hielt jemand aus dem Orchestervorstand eine Ansprache und übermittelte, welch gute Erinnerungen der Maestro an ein Scala-Gastspiel im Jahr 1989 hätte (war das nicht wie in West-Berlin 1987?). Die Wiener Philharmoniker haben 1984 im Haus unter Leonard Bernstein gastiert. Ich selbst habe Muti länger nicht live erlebt als z. B. Carlo Maria Giulini, davor allerdings häufig. Er war damals mein Wunschkandidat für die Nachfolge von Herbert von Karajan.

      Im ersten Teil stand das Flötenkonzert G-Dur KV 313 von Mozart mit dem Solo-Flötisten des Orchesters, Karl-Heinz Schütz, auf dem Programm. Die Bewegungen von Muti sind im Gegensatz zu früher viel sparsamer geworden. Er ließ alles laufen, aber das Spiel aller Beteiligten wirkte wie blindes Verständnis. Als Zugabe hat der Solist ein Solo-Stück gespielt, wenn ich richtig verstanden habe von Honegger. Das Stück passte zumindest zum Komponisten.

      Die 7. Symphonie von Anton Bruckner gehört zu meinen Lieblingswerken und den am häufigsten live erlebten Symphonien. Anders als z. B. Blomstedt klang das Werk bei Riccardo Muti sehr düster. Er wählte auch langsamere Tempi. Die Musik strömte sehr natürlich in den Saal, nichts wirkte aufgesetzt. Das brillante Orchester steigerte sich in einen wahren Klangrausch. Es ist schwer für dieses herausragende Konzert die passenden Superlative zu finden. Ich hoffe, dass sich Muti noch einige Male in Berlin blicken lässt. Dieses Konzert war in jedem Fall eine Bestätigung dafür, warum ich Muti gerne als Chef der Berliner Philharmoniker gesehen hätte.

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    • Das Konzert war definitiv 1987, da kam die Scala nach Ost- und Westberlin. Die Ansprache war aber typisch für die nette Atmosphäre des Konzertes, im Foyer gab es eine Fotoausstellung über Bernstein bei den Philharmonikern, im Vorfeld haben auf Bildschirmen die Philharmoniker Wiener Begriffe erklärt, wie Nanonaned, auf Lepschi gehen usw.
      Volle Zustimmung zum Konzert: besonders der unaufgeregt gespielte Bruckner hat mir sehr gefallen. Die Flexibilität und der Farbenreichtum dieser Streicher ist unbeschreiblich, der Beginn des 3. Satzes mit seinem Dialog zwischen Einzelinstrument und Streichern kam aus dem Jenseits.
      Interessant auch, daß es im Forte nie laut und vulgär klang, die scheinen mit der Akustik des Konzerthauses gut zurecht zu kommen.
      Eine Frage an den Kapellmeister: haben Sie die Festschrift gekauft? Lohnt die sich?
    • Am 21.12.2018 gab es das zweite Sinfoniekonzert des Festivals, Brahms unter Franz Welser-Möst. Eine vernichtende Kritik des RBB habe ich hier bereits eingestellt, dieser vermag ich nicht ganz zu folgen.
      Das Konzert für Violine, Violoncello und Orchester a-Moll op. 102 mit zwei Solisten aus den Reihen der Philharmoniker überzeugte durch das perfekte Verständnis zwischen Solisten und Orchester (kein Wunder!). Es war nicht auf Gegensätze und Dissonanzen getrimmt, blieb aber in seiner Struktur nachvollziehbar, und es war eine Freude, wie sich Solisten und Orchester die Bälle zuspielten. Ich gebe es zu : ich bin ein Spießer! Mir hat die Spielkultur der Wiener sehr gefallen. Welser-Möst hat hier, wie auch in der Zweiten von Brahms, nichts künstlich forciert, er sah sich eher als Diener des Stücks, dennoch waren beide Interpretationen nicht langweilig. Daß die Wiener hier Gelegenheit hatten, ihre Vorteile /technisch, aber besonders im Zusammenspiel) zu zeigen, wen stört`s?
      Auch am zweiten Abend (ich habe die Brahms-Sinfonie vom Chorbalkon aus verfolgt, direkt hinterm Orchester) klingen selbst Forte-Stellen nicht vulgär, die Übergänge stimmen und einige Einsätze kamen aus dem Paradies, so weich, so wenig forciert.

      Wichtig noch : Als Zugaben "Rosen aus dem Süden" und eine Polka "Bahn Frei" mit Sirenentönen, die offensichtlich beim Neujahrskonzert 1998 unter Zubin Mehta gespielt wurde.

      Die Hommage an die Wiener dürfte ein großer Erfolg gewesen sein, vielen Dank an das Konzerthaus auch für das umfangreiche Rahmenprogramm! Hoffentlich macht die Idee der Einladung der Philharmoniker hier Schule, immerhin gibt der Erfolg den Organisatoren recht. Im Programmheft befindet sich ein Brief von Harnoncourt an die Wiener, in dem er sagt, die "Unvollendete" in Berlin klinge bei ihm immer noch nach; denkt man dann noch an das legendäre Bernstein-Programm von 1984, so kann man schon von einer kleinen Tradition sprechen.

      facebook.com/KonzerthausBerlin/videos/328814824378378/

      Dieser Beitrag wurde bereits 4 mal editiert, zuletzt von Gast1 ()