Sankt Petersburg

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      Gestern gab es die Premiere einer neuen Lucia Produktion auf der Bühne des 2013 eröffneten Mariinsky II. Beim Betreten des Saals konnte ich kaum glauben, dass dieser lediglich 2.000 Plätze haben soll. So breit und mächtig wirkt er, dass ich eher Vergleiche mit der Bastille gezogen hätte. 30 Reihen im Parkett legten diesen Vergleich auch eher Nahe. Die Akustik hat mir nicht zugesagt. Im mittleren Parkett klingen die Sänger nicht präsent, sondern man spürt förmlich, dass der Ton sehr weit weg produziert wurde und fast verzögert bei einem ankommt. Das Orchester ähnlich gedämpft und auch im Tutti mild und weich. Dazu kommt ein sehr langer Nachhall, der zur Oper ebenfalls nicht passen wollte. Vom Maison de la Musique des gleichen Architekten war ich begeistert, mit seinem Opernhaus wurde ich nicht so recht warm.
      Das im Mariinsky Oper den zweiten Rang nach dem Ballett einnimmt ist überall deutlich zu spüren. Die Besetzung der Premiere war lange nicht bekannt. Erst eine Woche vor der Aufführung wurden jeweils 3 Sänger für jede Hauptpartie gelistet, die die Rolle aktuell proben. Dann einen Tag vor der Premiere erfuhr man endlich, wen man hören wird. Erinnert einen stark an die unsägliche Besetzungspolitik beim Münchner Ballett. Eventuell hat die ganze Probenphase aber auch nur eine Woche gedauert. Auszuschließen ist dies bei Gergiev vielleicht nicht. Für die belanglose Inszenierung von Simone Mannino braucht es vermutlich nicht mehr Zeit, die Sänger kennen alle ihre Rollen, das Orchester wird dafür bezahlt vom Blatt spielen zu können, die Abstimmungen machen wir während der Premiere und das Haus ist eh schon ausverkauft. Fertig ist das Produkt.

      Der Abend lohnte sich aber wegen der Lucia von Albina Shagimuratova. Stets bemüht die Stimme weich und frei klingen zu lassen, hob sie sich vom exaltiert dramatischen Gesang ihrer Kollegen ab. Freie und glänzende Höhen mit butterweichen Ansätzen, schönen Legatobögen und auch in den Ensembles präsent schöner Stimmführung. Eine tolle Lucia, der man ein passenderes Umfeld gewünscht hätte. Vladislav Sulimsky sang einen Enrico, der sich in den Ensembles ebenfalls anpasste. Die Stimme hat ein angenehmes Volumen ohne aufdringlich zu wirken. Ein wenig ging ihm in der Tiefe die Luft aus und so manche Abstimmung mit dem Orchester passte nicht, aber insgesamt auf der Haben Seite. Der Haustenor Yevgeni Akimov machte nicht gerade Werbung für ein Ensembletheater. Zum Edgardo passte das dramatische Schluchzen und die heftig und ruckartig gestemmten lauten vibratoreichen Höhen jedenfalls nicht. Der Rest des Ensembles leider erschreckend schwach.

      Das Mariinsky bietet ein Dauerprogramm von ca. 6 Veranstaltungen je Tag in den verschiedenen Spielstätten. Man hat den Eindruck, dass weniger mehr sein könnte.