Lübeck Boris Godunow Konwitschny

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    • Im NDR Fernsehen gab es einen Vorbericht über die heutige Premiere, in dem Konwitschny seine Regie kurz erläutert. Ich konnte zweimal einen kleinen Einblick in die Proben bekommen und war überrascht, wie akribisch genau und handwerklich exakt Konwitschny arbeitet, noch das allerkleinste Detail in den großen Chorszenen wird x Mal korrigiert.

      ndr.de/fernsehen/sendungen/ndr…iere,ndraktuell48876.html
    • Das sind ja Neuigkeiten! Wie handwerklich exakt (übrigens auch handwerklich virtuos) Konwitschny – seit nunmehr rund 50 Jahren – arbeitet, konnte man schon immer an seinen Inszenierungen sehen, dazu ist eigentlich kein Einblick in die Proben nötig (er kann aber natürlich nicht schaden).
      Reicher Mann und armer Mann / Standen da und sahn sich an. / Und der arme sagte bleich: / Wär ich nicht arm, wärst du nicht reich.
      Bertolt Brecht
    • ira schrieb:

      Politik als Kasperletheater: "Boris Godunow" in Lübeck
      Von Daniel Kaiser
      ndr.de/kultur/Politik-als-Kasp…n-Luebeck,godunow100.html
      Na sowas, "(...) die manchmal trivialen deutschen Texte (Bettina Bartz und Werner Hintze) haben nicht geholfen, (...)" - das weckt Erinerungen an manch triviale und unsingbare Übersetzung schlimmer Abende an der Komischen Oper.
      Mal abgesehen davon: im Zeitalter der Übertitelanlungsanlagen sollte man endlich damit aufhören die Stück ihrer Originalsprache zu berauben, denn darauf sind die Gesangslinien komponiert. Mir graut schon vor Händels "Poros" in der - so die Ankündigung - "Nachdichtung aus dem Italienischen von Susanne Felicitas Wolf" (noch so eine unsägliche Schmiertante) die uns die Komische Oper ab März präsentieren wird, mit einem Bassbariton (!) in der Kastratenrolle der Titelpartie...
    • Gundryggia schrieb:

      Mal abgesehen davon: im Zeitalter der Übertitelanlungsanlagen sollte man endlich damit aufhören die Stück ihrer Originalsprache zu berauben, denn darauf sind die Gesangslinien komponiert.
      Das tut man doch schon längst nicht mehr. Selbst in der kleinsten Butze wird 'Jenufa' auf tschechisch gegeben. Ob das allerdings der Weisheit letzter Schluss ist, sein einmal dahingestellt. Ich würde es mittlerweile vorziehen, das Gesungene als gesungenes und nicht als gelesenes zu verstehen. Verstehe aber auch, dass es Sänger vermutlich vor Probleme stellt, die selbe Rolle in verschiedenen Sprachen zu lernen.
      It is only shallow people who do not judge by appearances. The true mystery of the world is the visible, not the invisible. Oscar Wilde
    • JLSorel schrieb:

      Selbst in der kleinsten Butze wird 'Jenufa' auf tschechisch gegeben.
      Ja, was an so »tschechisch« nennt. Die meisten Zuschauer verstehen es nicht und können es auch nicht beurteilen, und wenn sie Tschechen sind, kommen sie gar nicht auf den Gedanken, dass das ihre Muttersprache sein könnte, was da gesungen wird, Ich habe nicht selten mit Leuten gesprochen, die vom originalen Klang der russischen Sprache schwärmten und daraus die zwingenden Notwendigkeit ihrer Verwendung in der Oper ableiteten, aber schon beim Namen des Komponisten von »Boris Godunow« drei schwere Ausspracheschnitzer machten, beim Namen des Titelhelden dann gleich noch mal drei. Man ahnt, wie gut sie die Besonderheiten der russischen Sprache beurteilen können...
      Reicher Mann und armer Mann / Standen da und sahn sich an. / Und der arme sagte bleich: / Wär ich nicht arm, wärst du nicht reich.
      Bertolt Brecht
    • Und was ist damit gesagt?

      (Übrigens ist es nicht dasselbe. Niemand, dem es nicht vollkommen egal ist, als vollständig ungebildet zu gelten, würde die Namen englischer oder französischer Autoren so falsch aussprechen, wie es bei Mussorgski oder Tschaikowski ganz normal ist.)
      Reicher Mann und armer Mann / Standen da und sahn sich an. / Und der arme sagte bleich: / Wär ich nicht arm, wärst du nicht reich.
      Bertolt Brecht
    • Katzenmueller schrieb:

      Ja, was an so »tschechisch« nennt. Die meisten Zuschauer verstehen es nicht und können es auch nicht beurteilen, und wenn sie Tschechen sind, kommen sie gar nicht auf den Gedanken, dass das ihre Muttersprache sein könnte, was da gesungen wird, Ich habe nicht selten mit Leuten gesprochen, die vom originalen Klang der russischen Sprache schwärmten und daraus die zwingenden Notwendigkeit ihrer Verwendung in der Oper ableiteten, aber schon beim Namen des Komponisten von »Boris Godunow« drei schwere Ausspracheschnitzer machten, beim Namen des Titelhelden dann gleich noch mal drei. Man ahnt, wie gut sie die Besonderheiten der russischen Sprache beurteilen können...

      Ich weiß nicht, ob Sie es gemerkt haben, aber es gibt international durchaus hervorragend ausgebildet Sänger, die ihre Partien nahezu perfekt in der Fremdsprache singen können. Und ihr üblicher Blödsinn zur Verschleierung dessen worum es geht (diesmal muss also die falsche Aussprache beim Publikum herhalten) hat damit nicht das geringste zu tun.
    • Katzenmueller schrieb:

      Ja, was an so »tschechisch« nennt. Die meisten Zuschauer verstehen es nicht und können es auch nicht beurteilen, und wenn sie Tschechen sind, kommen sie gar nicht auf den Gedanken, dass das ihre Muttersprache sein könnte, was da gesungen wird, Ich habe nicht selten mit Leuten gesprochen, die vom originalen Klang der russischen Sprache schwärmten und daraus die zwingenden Notwendigkeit ihrer Verwendung in der Oper ableiteten, aber schon beim Namen des Komponisten von »Boris Godunow« drei schwere Ausspracheschnitzer machten, beim Namen des Titelhelden dann gleich noch mal drei. Man ahnt, wie gut sie die Besonderheiten der russischen Sprache beurteilen können...
      Malte Krasting hat im Forum der Staatsoper auf meine Frage, warum das russische Libretto von Der Feurige Engel im Programmheft nur in einer Transliteration abgedruckt ist, geantwortet, dass Chor und tendenziell auch einige nicht-russische Sänger die kyrillische Schrift nicht einmal lesen können. Ob da die Originalsprache immer so ein Selbstzweck ist, wage ich mal zu bezweifeln. Bei der (deutschen) Aussprache von "Mussorgsky" graust's mir auch manchmal

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Th.E. ()

    • Katzenmueller schrieb:

      Niemand, dem es nicht vollkommen egal ist, als vollständig ungebildet zu gelten, würde die Namen englischer oder französischer Autoren so falsch aussprechen, wie es bei Mussorgski oder Tschaikowski ganz normal ist.
      Das können Sie natürlich zweifelsfrei beurteilen.
      Das geht dann so weit, daß Sie sich nicht entblödet haben, jemanden (in dem Fall susakit und mich), der in einem russischen Eigennamen einen Buchstaben zu viel verwendet hat, in die Rassismus-Ecke stellen. :cursing:

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von ira ()

    • ira schrieb:

      Das können Sie natürlich zweifelsfrei beurteilen.
      Ja, das kann ich. Tut mir leid, dass ich Ihnen auch in diesem Punkt überlegen bin.

      Th.E. schrieb:

      Malte Krasting hat im Forum der Staatsoper auf meine Frage, warum das russische Libretto von Der Feurige Engel im Programmheft nur in einer Transliteration abgedruckt ist, geantwortet, dass Chor und tendenziell auch einige nicht-russische Sänger die kyrillische Schrift nicht einmal lesen können.
      Na, immerhin haben Sie dann in ihrer Transliteration vielleicht »Tschikowski« oder »Mússorgski« oder »Barís« usw. Das ist zumindest ein kleiner Fortschritt. Ob allerdings eine sinnvolle musikalische Gestaltung möglich ist, wenn man den Text lediglich phonetisch gelernt hat und seine Struktur nicht versteht, sei dahingestellt.
      Reicher Mann und armer Mann / Standen da und sahn sich an. / Und der arme sagte bleich: / Wär ich nicht arm, wärst du nicht reich.
      Bertolt Brecht
    • Katzenmueller schrieb:

      Ja, das kann ich. Tut mir leid, dass ich Ihnen auch in diesem Punkt überlegen bin.
      Ihre Eigeneinschätzung sei Ihnen unbenommen. wenn Ihnen das Spaß macht. Daß Sie beurteilen können, daß Namen in anderen Sprachen generell richtiger ausgesprochen werden, dafür bräuchte es allerdings eine Glaskugel. Aber, daß Sie die haben, wissen wir ja.

      Es ging bei Ihrem Rassismus-Vorwurf nicht um Komponisten, sondern in einem Thread um den Eigennamen eines von mir hochgeschätzten Sängers.
    • für jemanden der soviel Wert auf die absolut richtige Betonung legt, ist es schon sehr merkwürdig, sich davon in einer Komposition verabsschieden zu wollen und durch eine ganz andere sprachliche Klanglichkeit zu ersetzen. Geradezu Paradox. Dass es dafür eine Erklärung gibt, dessen bin ich mir ganz sicher. Ich platze schon vor Spannung, die ollen Kamellen dazu von Felsenstein, Kupfer und Konwitschny wiedergekaut zu bekommen.
    • Ein Franzose würde gar nicht verstehen, was der Unsinn eigentlich soll. Er würde das selbstverständlich so aussprechen, wie ER das für richtig hält. Wenn man ihm dann einen Mangel an Bildung unterstellen würde, wäre er zu Recht empört.
      Und gehen wir mal zu anderen Sprachen: Arabisch und Hebräisch, die haben außer Markierungen gar keine Vokale. Die Aussprache von Vokalen ist ist in der Schrift (kaum) festgelegt.
    • Katzenmueller schrieb:

      ira schrieb:

      Das können Sie natürlich zweifelsfrei beurteilen.
      Ja, das kann ich. Tut mir leid, dass ich Ihnen auch in diesem Punkt überlegen bin.

      Th.E. schrieb:

      Malte Krasting hat im Forum der Staatsoper auf meine Frage, warum das russische Libretto von Der Feurige Engel im Programmheft nur in einer Transliteration abgedruckt ist, geantwortet, dass Chor und tendenziell auch einige nicht-russische Sänger die kyrillische Schrift nicht einmal lesen können.
      Na, immerhin haben Sie dann in ihrer Transliteration vielleicht »Tschikowski« oder »Mússorgski« oder »Barís« usw. Das ist zumindest ein kleiner Fortschritt. Ob allerdings eine sinnvolle musikalische Gestaltung möglich ist, wenn man den Text lediglich phonetisch gelernt hat und seine Struktur nicht versteht, sei dahingestellt.
      Wäre unter linguistisch auch nur halb gebildeten Menschen nicht zwischen Transliteration und Transkription zu unterscheiden? Aus dem Russischen gibt es nur eine, die wissenschaftliche, Transliteration (ISO9). Transkriptionen gibt es verschiedene. »Tschikowski« oder »Mússorgski« oder »Barís« mögen eine Transkription (welche auch immer) sein, aber keine Transliteration. Bei Th.E. mag im Programmheft die Transliteration zur Anwendung gekommen sein, aber nicht in der von Katzenmueller dargestellten Form.