Das schlaue Füchsleiin

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    • Das schlaue Füchsleiin

      Angeregt durch eine wohlwollende Kritik im Merker habe ich mir das schlaue Füchsen vor Ort angesehen und angehört. Neugierig war ich wegen der Regie von Yuval Sharon, mit dessen Bayreuther Lohengrin ich gut leben konnte. Für mich war es aus unterschiedliche Gründen leider ein enttäuschender Abend:
      Gespielt wurde halbszenisch bzw. konzertant mit bildhafter Animation. Ihre 1. Premiere feierte die Produktion in Cleveland mit dem dortigen Orchester unter Welser- Möst.
      Zu sehen war hinter dem halb hochgefahrenen Orchestergraben eine Kinoleinwand in Form eines Triptychons, unterbrochen mit etwa 20 Luken und 2 zentralen Türen zum Auftritt einzelner Darsteller. Gezeigt wurde eine filmische Interpretation, bei der einzelne Luken aufgingen, die Sänger_innen ihren Kopf darin zeigten, der in seinen äußeren Umrissen zum Rest des Torsos auf die Leinwand filmisch gezeigt wurde. Klappe zu, Füchsen springt filmisch in eine andere Ecke, Klappe auf, Gesang geht weiter.
      Diese Grundidee hatte ja bereits Barry Kosky mit seiner filmischen Zauberflöte in Zusammenarbeit mit der Künstlergruppe 1927, was damals wirklich neu, herrlich überzogen, andererseits sehr konzentriert und insgesamt hoch erfreulich war, seinen Spaß an der Zauberflöte neu zu entdecken. Aber das klappt halt nicht immer.
      Die Grundfarben des Films waren am ehesten Pastelltöne in einem eher stilisierten Malstil und auf Dauer schlichtweg trotz der Kürze des Abends von 11/2 Stunden rasch ermüdend.
      Man hatte Sharon in Bayreuth vorgeworfen, die Inszenierung sei zu statisch und sei nur auf das Bühnenbild ausgerichtet. Das lässt sich von den heutigen Abend ohne Zweifel sagen, in Bayreuth war lediglich der Chor statisch, was zumindest mich nicht störte, weil der eigentlich nur Gesehenes und noch nicht Gesehenes kommentiert, während im Zentrum der Bühne doch einiges los war, wenn auch mit reduzierter Aktion. Aber heute hatte ich den Eindruck, es ginge lediglich um ein bestmögichlich passendes Arrangement mit bestmöglicher motorischer Schonung der Sänger.
      Die Sache wurde durch den hochgefahrenen Orchestergraben keinesfalls besser, auch wenn man den dortigen Akteuren bei der Arbeit zusehen konnte, was ja eine nette Abwechslung war. Das Orchester war gerade im Hinblick auf die große Besetzung einfach zu laut, und dies in einer bedauerlichen hohen Dauerlautstärke. Da glitzerte nichts, da leuchtete nichts, da war nix romantisch oder auf Verzauberung ausgelegt. Es gab kaum eine Modifikation der Dynamik oder des Tempos, was leider auch erheblich auf die Kosten der Verständlichkeit der Sänger_innen ging. Da sie dauerhaft an der Rampe singen mussten, konnten sich die Stimmen durch den fehlenden Bühnenraum kaum entfalten und mussten über das Orchester hinweg singen, was bei dem Dauerforte des Orchesters leider zu Lasten des Ausdrucks der Sänger_innen ging. Mit Schmerzen musste ich an die Berliner Inszenierung von Katarina Talbach denken, bei der der Wald aus der Sicht der Tiere vergrößert dargestellt wurde und ein ungleich differenzierteres Spiel zwischen Tier und Mensch zuließ.
      Sharon wird in dieser Spielzeit an der Deutschen Staatsoper (u.d.L.) eine neue Zauberflöte herausbringen. Ich kann nur hoffen, dass es keine unreflektierte Konkurrenzveranstaltung zur Komischen Oper werden wird, sondern eine inszenatorische Handschrift des Regisseurs zeigt, und nicht den weiteren Aufguss einer an sich sehr guten Idee von der Konkurrenz um die Ecke.