Theo Adam gestorben

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    • Noch bevor ich Theo Adam in München live als Sachs hörte, lernte ich ihn in der Schallplatten-Aufnahme von 1970 kennen, aufgenommen in der Dresdner Lukas-Kirche unter Herbert von Karajan.
      Der resümierte nach Abschluß der Sitzungen gegenüber Jürgen Kesting:
      "Mein Agent hat mir einmal gesagt: Warten Sie, bis Sie eines Tages nach Dresden kommen werden. Das Spiel der Dresdner Staatskapelle glänzt wie altes Gold." Und weiter: "Endlich können wir das Evchen und Stolzing mit zwei jungen Stimmen besetzen."
      Für mich ist das eine bis heute unübertroffene Aufnahme. Mit René Kollo, Helen Donath und Peter Schreier.

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    • Theo Adam. Die Nachricht von seinem Tod löst große Traurigkeit aus. Ich persönlich habe ihm die Liebe zur Oper zu verdanken. Wie das? In unserer Aula, in der wir Musikunterricht hatten, hing ein Kunstkalender. Eines der Monatsblätter zeigte ihn als Don Giovanni. Damals, mit 14 Jahren kannte ich den Namen noch nicht. Dank des großartigen Unterrichts meiner Musiklehrerin, die vor allem die Oper als Schwerpunkt sehr gut vermittelte, vertiefte ich das Thema. Erst recht, nachdem sie mir das Kalenderblatt geschenkt hatte. (Die erste Oper folgte "Die Hochzeit des Figaro". Als ich dann Theo Adam zwei Monate später als Sachs erleben durfte, war die Liebe zur Oper endgültig geboren.
      Und so bleiben Erinnerungen an eine große Sängerpersönlichkeit und auch lächelnde Erinnerungen an die Autogramme und Gespräche hinter der Bühne.
      Unvergessen für mich sein Holländer, den er mit bezwingender Aura sang und darstellte. Wie er als Pizarro wütend auf die Bühne gestürzt kam - voll von Racheglüsten. Sein Jochhanaan - intelligent, wissend, voll überragender Persönlichkeit. Niemand sang den Wotan in Bayreuth so oft wie er. Theo Adam war ein Sänger von Ausnahmeformat. Selbst seine Sendung "Theo Adam lädt ein" bleibt im Gedächtnis (Ewiges Streitthema zwischen meinen Eltern. Meine Mutter erlaubte, daß ich es sehen durfte, mein Vater war dagegen, weil es ihn nicht interessierte;-)
      Theo Adam, ein Sänger, der sicher auch, dank seiner intensiven Darstellungskunst und dem klugen Anlegen vieler Partien, jungen Sängern damals zum Vorbild wurde.
      Sind wir dankbar für jeden Abend, den er uns geschenkt hat, für jede Partie, die er mit seinem unverwechselbaren Anklag des Sächsischen gestaltet hat. Bewahren wir uns die Erinnerung an einen energiegeladenen Sänger, der ganz maßgeblich zu den Großen seiner Zeit gehörte. Verneigen wir uns still vor ihm und sagen: Danke Theo Adam für alles. Nun ruhe in Frieden.
      Carpe Diem
    • ira schrieb:

      Noch bevor ich Theo Adam in München live als Sachs hörte, lernte ich ihn in der Schallplatten-Aufnahme von 1970 kennen, aufgenommen in der Dresdner Lukas-Kirche unter Herbert von Karajan.
      Der resümierte nach Abschluß der Sitzungen gegenüber Jürgen Kesting:
      "Mein Agent hat mir einmal gesagt: Warten Sie, bis Sie eines Tages nach Dresden kommen werden. Das Spiel der Dresdner Staatskapelle glänzt wie altes Gold." Und weiter: "Endlich können wir das Evchen und Stolzing mit zwei jungen Stimmen besetzen."
      Für mich ist das eine bis heute unübertroffene Aufnahme. Mit René Kollo, Helen Donath und Peter Schreier.

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      Kesting sprach bei der Gelegenheit Karajan aber auch auf die Besetzung des Sachs mit Adam an, dem er Ridderbusch (der den Pogner sang) weitaus vorgezogen hätte, worauf Karajan meinte: "Auch ich kann nicht immer so wie ich möchte..." Einer jener Sänger, bei dem durch die fehlende Bühne viel verlorengeht.
      "Die Woche zwier schadet weder ihm noch ihr" (M. Luther)
    • Arminius schrieb:

      Kesting sprach bei der Gelegenheit Karajan aber auch auf die Besetzung des Sachs mit Adam an
      Dazu finde ich aber nichts im Plattentext. Das stammt wohl aus dem Mammut-Werk über Sänger von Jürgen Kesting.

      Im Plattentext findet sich das:

      "Es war, wenn nicht Angst, so doch Anspannung in ihm, die Sorge, ob er die gewaltige Partie im Studio zu einer einheitlichen Rollenkonzeption würde entwickeln können."
      "Theo Adam seinerseits feilte immer wieder an Ausdrucksdetails, an Wortnuancen, ehe auch er der Ansicht war, er könne Ehre einlegen mit seiner Rollengestaltung."

      Das ist jetzt fast 50 Jahre her, interessant ist trotzdem, was hier zu den Möglichkeiten der Technik steht:

      "Daß der liebe Gott im Detail steckt, ist eine Wahrheit, die für das Aufnahmestudieo speziell eingerichtet ist, aber daß es für die moderne Technik besonders leicht sei, die detaillierten Wahrheiten durch eine einzige Drehung am Reglerknopf zu bewerkstelligen, gehört hinwiederum zur fast irrationalen Überschätzung der Technik."

      Ich denke, in einem gewissen Umfang gilt das auch noch heute. Die Diskussion hatten wir kürzlich.

      Zu René Kollo sagte Herbert von Karajan: "Sie sind der Stolzing, wie ich ihn mir seit Jahren gewünscht habe. Das können Sie von mir, wenn Sie wollen, schriftlich haben."

      Ridderbusch: Gegen Ende seiner Karriere habe ich ihn einige Male als desaströsen Sachs erlebt. Schlimm. Er hat bis zum bitteren Ende seine Verträge erfüllt.
    • Was für eine Persönlichkeit, die als ossi problemlos nach Bayreuth reisen konnte. Habe ihn selbst in Dresden noch als phänomenalen Sachs gesehen, und dann jahrelang unter seiner tieflangweiligen parsifalregie leiden müssen. Was ich aber, ganz weg von seiner Gesanskarriere, wirklich tragisch finde: er räumt alle Bühnen ab, und dämmert dann ein Jahrzehnt ohne wissen um seine Lebensleistung dem Ende entgegen... sorry für für Tippfehler
    • ira schrieb:

      Arminius schrieb:

      Kesting sprach bei der Gelegenheit Karajan aber auch auf die Besetzung des Sachs mit Adam an
      Dazu finde ich aber nichts im Plattentext. Das stammt wohl aus dem Mammut-Werk über Sänger von Jürgen Kesting.
      Natürlich steht das nicht im Plattenbeiheft, daß Karajan Adam als Sachs eigentlich nicht haben wollte und ihn nehmen mußte, weil die Aufnahme ansonsten nicht zustandegekommen wäre...
      "Die Woche zwier schadet weder ihm noch ihr" (M. Luther)
    • ira schrieb:

      Ja, klar, ist schon logisch. Ich dachte, vielleicht steht da was "verbrämt."

      Arminius schrieb:

      weil die Aufnahme ansonsten nicht zustandegekommen wäre...
      Davon haben Sie allerdings oben nichts geschrieben, daß die Aufnahme sonst nicht zustande gekommen wäre.
      Habe in Kestings vierbändigem Werk jetzt nochmal genau nachgelesen, wie das war. Kesting saß neben Karajan, als der Take von Pogners Ansprache abgehört wurde, und fragte vorsichtig: "Warum singt Ridderbusch eigentlich nicht den Sachs? Er hat doch genau die richtige Stimme dafür?" "Karajan sah ihn von der Seite an und erwiderte: "Junger Mann, haben Sie schon mal das Wort: Politik gehört?" Und daß die Besetzung von Adam als Sachs eine Bedingung war, daß die Staatsführung die Aufnahme genehmigte liegt auf der Hand, wenn ich das recht sehe hat er ansonsten ja nicht unter Karajan gesungen.
      "Die Woche zwier schadet weder ihm noch ihr" (M. Luther)
    • opernwahn schrieb:

      Was ich aber, ganz weg von seiner Gesanskarriere, wirklich tragisch finde: er räumt alle Bühnen ab, und dämmert dann ein Jahrzehnt ohne wissen um seine Lebensleistung dem Ende entgegen...
      Siehe hier die einschlägigen Auszüge aus einem erst im Dezember erschienenen, sehr interessanten Beitrag über einen Besuch bei Peter Schreier:
      spiegel.de/kultur/musik/theo-a…-gestorben-a-1247713.html
    • opernwahn schrieb:

      Was ich aber, ganz weg von seiner Gesanskarriere, wirklich tragisch finde: er räumt alle Bühnen ab, und dämmert dann ein Jahrzehnt ohne wissen um seine Lebensleistung dem Ende entgegen... sorry für für Tippfehler
      Falls Sie auf eine mögliche Demenz hinweisen wollen soll nicht unerwähnt bleiben, dass bei den Betroffenen die Erinnerung an Musik und was damit im Groben zusammenhängt, erhalten bleibt. Das tröstet etwas, soll aber auch auffordern, sich bis zuletzt mit Musik zu befassen, auch passiv!
    • Als wir 2009 nach Loschwitz gezogen waren, habe ich ob meines Gesundheitszustand viel Zeit mit Working-Stöcken am Elbhang zugebracht und bin oft an den mehr oder weniger verdeckten Anwesen der dort ansässigen Größen von Oper und Konzert vorbei gelaufen und gelegentlich mal jemanden getroffen und gesprochen.
      Neben Peter Schreier hatten wir in Leipzig auch den Kammersänger Theo Adam oft hören dürfen.
      Vor allem sang Theo Adam mit einer markanten Stimme fast in jedem Jahr in der Thomaskirche in den Passionen und im Weihnachtsoratorium und mit dem Gewandhausorchester im Schlusssatz der neunten Symphonie zu den Jahresabschluss-Konzerten.
      In der Leipziger Oper war er vor allem mit seinem Meistersinger-Sachs präsent gewesen.
      Die Begegnungen an der Dresdner Staatsoper waren seltener.
      Bei meinen Wanderungen am Loschwitzer Elbhang hatte ich auch nach Theo Adam gesucht, bis mir ein Bekannter den benachbarten Garten des prachtvollen Adam-Anwesens öffnete und ich einen Blick auf den erkrankten Theo Adam werfen konnte. Er lag majestätisch in gebührendem Abstand von der Grundstücksgrenze in einem Liegestuhl, las nicht und schien nachzudenken.Das war schon bedrückend, den Menschen, der uns so oft beeindruckt und mit seinem Können auch bereichert hatte, so zusehen.
      Nicht viel später wurde bekannt, dass er in einer Kurzzeitpflege direkt hinter dem Elbwanderweg untergebracht sei und kaum noch auf sein Umfeld reagiert.
      Obwohl wir ihn als Mensch und Künstler schon vor Jahren verloren hatten, trifft uns doch sein Tod, selbst wenn es für ihn eine Erlösung gewesen sein dürfte.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von thomathi ()

    • Arminius schrieb:

      Habe in Kestings vierbändigem Werk jetzt nochmal genau nachgelesen, wie das war. Kesting saß neben Karajan, als der Take von Pogners Ansprache abgehört wurde, und fragte vorsichtig: "Warum singt Ridderbusch eigentlich nicht den Sachs? Er hat doch genau die richtige Stimme dafür?" "Karajan sah ihn von der Seite an und erwiderte: "Junger Mann, haben Sie schon mal das Wort: Politik gehört?" Und daß die Besetzung von Adam als Sachs eine Bedingung war, daß die Staatsführung die Aufnahme genehmigte liegt auf der Hand, wenn ich das recht sehe hat er ansonsten ja nicht unter Karajan gesungen.
      Okay, danke für die Erläuterung, Arminius.
      Habe den Kesting zwar da stehen, ihn aber nicht auswendig gelernt ;)