La forza del destino

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    • La forza del destino

      Sicher werden hierzu noch Frankfurter Foristen berichten.
      Vorab schon mal eine Kritik aus der heutigen SZ (sozusagen als Vorgabe). Auch weil es außergewöhnlich ist, daß diese Kritik vollständig online ist:

      Print-Titel:

      All American Schicksal
      Tobias Kratzer inszeniert in Frankfurt Verdis "La forza del destino" als Bildersturm über Rassismus und schafft einen fast rundum gelungenen Aufreger

      von Egbert Tholl

      sueddeutsche.de/kultur/oper-all-american-schicksal-1.4309351
    • Hier meine Premiereneindrücke:

      Ich schätze Tobias Kratzer, Verdi hingegen weniger. Nicht, dass ich ihm die Qualität absprechen wollte, aber so richtig packen tut mich Verdi halt nicht. Ist ausschließlich mein Fehler, nicht seiner. Und die "Forza" ist für mich eines dieser schrecklich konfusen Stücken - die Urfassung ist in ihrer Brutalität immerhin konsequent als die geglättete Zweitfassung. Daher war ich gespannt.

      Kratzer hat einen wirklich klugen Grundgedanken, überzieht dann aber im Laufe des Abends. So sehr, dass Buhs und Bravos auch noch nach geschlossenem Vorhang weitergingen.( Ein Zuschauer rief sogar noch: "Erst denken, dann buhen".) Der Grundgedanke besteht darin, den Rassismus als Triebfeder der Handlung deutlich zu machen und das gelingt Kratzer erschreckend gut. Der Ritt durch die US-amerikanische Geschichte beginnt mit Filmausschnitten von "Birth of a nation" schon in der Ouvertüre, geht vom antebellum-Süden über den Bürgerkrieg, den KKK, Vietnamkrieg und Black lives matter der Jetztzeit. Ein bisschen also wie der Herheim-Parsifal, nur dass Kratzers Konzept seinem eigenen Hyperrealismus zum Opfer fällt: je präziser er Handlungen verlegt, desto problematischer werden eben logische Fehler - den Ku Klux Klan als Parallele zur römisch-katholischen Kirche zu zeigen, halte ich bei aller Kritik an Rom doch für allzu gewagt und nicht wirklich plausibel. Auch die Kriegsverbrechen an den Vietnamesen wirken aufgesetzt, auch das Ende als der Pater plötzlich als Polizist für den Tod Alvaros verantwortlich ist. Dabei beginnt der Abend intensiv, als die riesige Leinwand auf weißer Bühne die Handlung "in groß" erzählt: die Hautfarben zu den Sängern sind teilweise vertauscht und man wird sich bewusst, wie arbiträr dieses Rassendenken eigentlich ist. Es wirkte auf mich fast ein bisschen so, als hätte Claas Relotius Regie geführt: ein bisschen antiamerikanisches Sentiment (der gemeinsame Nenner konservativer und linker Operngänger), das vom Publikum durchaus goutiert wurde, weil es letztlich eigene Erwartungen bedient.

      Bei den Sängern haben mich vor allem Michelle Bradley mit ihrem Falcon-Sopran und Christopher Maltmann als Don Carlo begeistert (weit mehr als Tézier in München). Franz-Josef Selig ist natürlich eine Luxusbesetzung und Tanja Baumgartner als Preziosilla ebenfalls ein Knaller - sei es als Playmate-Bunny oder Revuetänzerin im Südstaatensaloon (der übrigens eher an den Westen erinnert).

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von RagnarDanneskjoeld ()

    • JLSorel schrieb:

      ira schrieb:

      Sicher werden hierzu noch Frankfurter Foristen berichten.
      Ich sicher nicht :P
      Man muss ja nicht darüber berichten, aber ich würde dringend empfehlen, diese Produktion von Tobias Kratzer nicht zu versäumen wenn man - wie ich -
      a) intelligentes und durchdachtes Regietheater mag (dass es auch einige "Brüche" gibt, wenn man die Originalstory völlig auf den Kopf stellt, ist kaum vermeidbar. Aber auch die Originalstory ist ja nicht frei von "Brüchen" ;)
      b) mal wieder einen richtig tollen Verdi-Sopran erleben will. Michelle Bradley liess für mich gestern Abend keine Wünsche offen... Brava!!!
      Auch die übrigen Partien waren adäquat bis luxuriös besetzt.
    • Ah, der dritte der drin war... Ich fand es eine sehr starke Aufführung, auch wenn manches überspitzt war und nicht restlos aufging. Die Transponierung in die Geschichte des Rassismus der USA funktionierte ausgesprochen gut, und musikalisch blieben kaum Wünsche offen. Allenfalls der Tenor war nicht erste Wahl, klang anfangs recht kehlig wie mit einer Kartoffel im Mund, besserte sicvh aber dann auch.
      "Die Woche zwier schadet weder ihm noch ihr" (M. Luther)
    • ira schrieb:

      Mir gefällt vor allem, daß Sie sich mal wieder hierher verirren, Dino! :)
      Es wird weiterhin die Ausnahme bleiben. Meine früheren Aktivitäten waren "Abwechslungen" während der (bezahlten) Arbeitszeit ;)
      Mein Unruhestand ist mir allerdings viel zu kostbar, um mich z.B. tagelang mit der Frage aufzuhalten, was nun die erste Zwölftonoper war. :D
      Da gibt es jetzt weit Wichtigeres...
    • Die allgemeine Begeisterung teile ich nur bedingt, denn auch meiner Ansicht nach ist es so:

      RagnarDanneskjoeld schrieb:

      Kratzer hat einen wirklich klugen Grundgedanken, überzieht dann aber im Laufe des Abends.
      Wobei ich das 'im Laufe des Abends' streichen würde, denn ich habe es umgekehrt empfunden: im ersten Teil ist (trotz geschickter Vidoeinstallationen) der moralische Zeigefinger sehr präsent (Rassismus ist pöhse!), und der tiefere Sinn des Mummenschanz im zweiten Bild hat sich mir auch nach längerem Wirkenlassen nicht erschlossen - weiß jemand mehr darüber? Auch nicht ganz klar ist, was uns die Nummer mit dem KKK sagen wollte. Vielleicht etwas in Richtung "ein Orden ist ein Orden ist ein Orden"?
      Wirklich gepackt hat mich die Inszenierung erst im Vietnam-Bild, dann aber gründlich; allerdings wird die krause Handlung dadurch nicht besser...
      Sängerisch gab's nichts auszusetzen; sogar der Tenor mit dem schwierigen Namen bekrabbelte sich nach etwas eng klingendem Beginn und sang im vierten Bild eine sehr schöne, anrührende Arie.
      Stellt sich nur eine Frage: was, wenn die Sängerin der Leonora in einer möglichen Wiederaufnahme nicht dunkelhäutig ist? Werden dann die Vidoes neu gedreht? oder bekommt sie vorab eine Dauerkarte für's Sonnenstudio?
      ... Wunder warten bis zuletzt.
    • So unterschiedlich können Eindrücke sein:
      Ich kam mit dieser Forza-Inszenierung gut zurecht, fand sie eigentlich sogar besser als Vasco (auch von Kratzer, für die Nicht-Frankfurter).
      Sicher mag er im Laufe des Abends überziehen, aber ist "Forza" nicht ähnlich "Aida" oder "Trovatore" eine Collage-Oper? Ich konnte stets einen Bezug zum Werk herstellen, was mir bei "Dalibor" nicht gelang.
      Musikalisch hatte ich auch nicht auszusetzen bis auf den unsäglichen Melitone (Craig Colclough). Wer zum Teufel hat den engagiert? Gab's da niemand aus dem "Angsambel"?

      Im übrigen fällt mir mal wieder auf, dass in dieser Saison wieder mal nur Raritäten neuinszeniert werden. Forza ist zumindest kein Blockbuster. Es bleibt einfach zu wenig Zeit, sich mit diesen Stücken auseinanderzusetzen. Schade.
      Die Bühne bleibt sauber!