Boris Godunow - Deutsche Oper

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    • Boris Godunow - Deutsche Oper

      Dass Bryn Terfel ein großer, charismatischer Sänger-Darsteller ist, dürfte unstrittig sein. Dass er seinen Zenit deutlich überschritten hat, dürfte in Berlin spätestens seit dem Festspielkonzert mit dem 3. Akt aus der Walküre bekannt sein. Ungeachtet dessen war die Vorfreude auf den Star-Gast aus Wales groß. Seine ersten Töne ließen das Schlimmste befürchten, so matt und ausgemergelt klang seine Stimme. Glücklicherweise war er durchaus in der Lage kraftvoll zu singen und zeichnete letztendlich ein großartiges Rollenporträt, was ihm großen Jubel eingebracht hat. Den stärksten Eindruck hat allerdings der vorzügliche Ante Jerkunica als Pimen hinterlassen. Einen guten Eindruck hinterließ auch Maxim Paster als Schuisky bei seinem Hausdebüt, auch wenn er an stimmlich Grenzen gestoßen ist, wenn zu sehr forciert hat. Auffallend schön gesungen war der Narr von Matthew Newlin. Auch die weiteren Rollen waren insgesamt erfreulich gut besetzt. Der kurze Auftritt von Alexandra Hutton als Xenia hat bei mir allerdings keinen bleibenden Eindruck hinterlassen. Kirill Karabits schien in der ersten Chorszene noch leichte Abstimmungsprobleme zu haben, hatte dann aber alles gut im Griff und erwies sich mit einem drängendem, beseeltem Dirigat als guter Leiter der Vorstellung.
    • Kapellmeister Storch schrieb:

      Ungeachtet dessen war die Vorfreude auf den Star-Gast aus Wales groß. Seine ersten Töne ließen das Schlimmste befürchten, so matt und ausgemergelt klang seine Stimme. Glücklicherweise war er durchaus in der Lage kraftvoll zu singen
      Ehrlich gesagt habe ich da ein Verständnisproblem. "Matt" und "ausgemergelt" geht für mich nicht zusammen mit "kraftvoll".
    • ira schrieb:

      Kapellmeister Storch schrieb:

      Ungeachtet dessen war die Vorfreude auf den Star-Gast aus Wales groß. Seine ersten Töne ließen das Schlimmste befürchten, so matt und ausgemergelt klang seine Stimme. Glücklicherweise war er durchaus in der Lage kraftvoll zu singen
      Ehrlich gesagt habe ich da ein Verständnisproblem. "Matt" und "ausgemergelt" geht für mich nicht zusammen mit "kraftvoll".
      Erst "matt und ausgemergelt", später dann aber "kraftvoll"...
      ... Wunder warten bis zuletzt.
    • Kapellmeister Storch schrieb:

      Dass Bryn Terfel ein großer, charismatischer Sänger-Darsteller ist, dürfte unstrittig sein. Dass er seinen Zenit deutlich überschritten hat, dürfte in Berlin spätestens seit dem Festspielkonzert mit dem 3. Akt aus der Walküre bekannt sein. Ungeachtet dessen war die Vorfreude auf den Star-Gast aus Wales groß. Seine ersten Töne ließen das Schlimmste befürchten, so matt und ausgemergelt klang seine Stimme. Glücklicherweise war er durchaus in der Lage kraftvoll zu singen und zeichnete letztendlich ein großartiges Rollenporträt, was ihm großen Jubel eingebracht hat.
      Nun bin ich noch gespannter auf Sonntag.
    • Ich besuchte die gestrige Vorstellung und war glücklich mit dem Abend: Terfel hatte sich offenbar in der 1. Vorstellung "warm" gesungen. Er bot gestern eine tadellose Gesangsleistung, da gab es keine Schwächen. Und die Darstellung ließ natürlich keine Wünsche offen. In Boris' Tod war es so still im gesamten Haus, daß man hätte eine Stecknadel fallen hören, wenn denn eine gefallen wäre... Er hat diese Szene überaus berührend und mit differenziertem Gesang dargestellt. Seine Rolleninterpretation sucht heute sicher seinesgleichen, wenngleich ich zugegebnermaßen wenig Vergleichsmöglichkeiten habe. Aber Terfel ist/war zurecht ein ganz großer Sänger seiner Zeit.
      Ante Jerkunica als Pimen war eine Bass-Offenbarung und bot eine gesangliche Spitzenleistung. Er bekam den etwas größeren Applaus als Terfel, durchaus zu Recht. Seine Tiefe ist beeindruckend und auch seine Darstellung war in Ordnung, zumal die Maske nicht sehr gute Arbeit geleistet hat und er viel zu jung aussah. Dies machte er wett mit für Pimen "altersgemäßen" Bewegungen. Insgesamt eine großartige Leistung.
      Maxim Paster gab sein Hausdebüt als Schuiskij. Das was in der 1. Vorstellung offenbar noch nicht sehr klangschön war, konnte man gestern nicht mehr hören. Er forcierte nicht, seine Höhe war durchaus klar und rein, ohne daß er auf die "Tube" drücken mußte. Vielleicht ließ er in der Darstellung eine gewisse Ausstrahlung einer Persönlichkeit vermissen, aber das würde ich ihm nicht ankreiden wollen. Alles in allem ein gelungenes Debüt wie ich finde und auch er hatte sich offenbar nach der 1. Vorstellung "frei" gesungen.
      Dong-Hwan Lee als Schtschelkalow gefiel mit sehr ausdrucksstarkem Bariton, der besonders in der Höhe kräftig "ansprang" und auch die Persönlichkeit der Figur wußte er gut darzustellen.
      Alexei Botnarciuc als Waarlam: Wunderbar sein Trinklied, auf das man ja irgendwie immer wartet, weil es einen selbst mitreißt. Stimmlich war er sehr gut und hier stimmten auch Maske und Kostüm: Bei den Bettelmönchen hatte man den Eindruck, sie würden irgendwie "riechen".
      Alle anderen Partien waren sehr gut bis gut besetzt, die Damen spielten, stückbedingt, eher Nebenrollen.
      Stark der Chor, der besonders im 1. Bild Beeindruckendes bot.
      Musikalisch wurde der Boris von Kirill Karabits zusammengehalten, der für meinen Geschmack die richtigen Tempi fand und auch im Trinklied des Waarlam weder hetzte noch verschleppte.
      Die Inszenierung von Richard Jones ist eine Übernahme von Covent Garden und sie geht völlig in Ordnung. Sie ist frei von Mottenkugeln und aber immernoch so, daß das 3. Bild in einer Schenke angesiedelt ist und nicht, wie im Marinsky-Theater, vor einem Striptease Club.
      Insgesamt gesehen: Ein beeindruckender Abend mit einem äußerst disziplinierten Publikum. Wenig Huster, keine Nieser.... zu dieser Jahreszeit ist das schon ein großes Plus.

      P.S. Was sagt der 2. Geharnischte zum gestrigen Boris??? Haben Sie ähnliche Eindrücke wie ich gewonnen?**
      Carpe Diem

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Eduard19 ()

    • Eduard19 schrieb:




      P.S. Was sagt der 2. Geharnischte zum gestrigen Boris??? Haben Sie ähnliche Eindrücke wie ich gewonnen?**
      Tja, da muß ich nun leider passen. Aufgrund der durchwachsenen Voten zu Bryn Terfel habe ich mich kurzfristig entschlossen, meine Berlinkurzreise in die Staatsoper zu „Elektra“ zu wechseln. Dort habe ich einen großen Abend erlebt, aber vielleicht doch einen in der DOB verpasst?