Elbphilharmonie

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    • Reingold schrieb:

      :D Man nennt mich auch Gustav Gans!
      Man könnte Sie auch bedauern, so spät im Leben erst Bruckner entdeckt und zu schätzen gelernt zu haben (ich gehe davon aus, Sie haben das Alter der Jugend bereits hinter sich gelassen).

      Für mich ist Bruckner seit gefühlten Ewigkeiten ein Fixpunkt in der Sinfonik. Ich hatte aber auch das Glück, in Köln einige Aufführungen mit Günter Wand und Celibidache erleben zu dürfen.

      Trotzdem Glückwunsch! Besser spät als gar nicht.
    • Das 2. Philharmonische Konzert brachte eines der beiden Programme, mit denen das Philharmonische Staatsorchester unter Kent Nagano Anfang November auf Japan-Tournee geht. Solist: Nobuyuki Tsuji. Ein beeindruckender Abend!

      Die Bezahlschranke des Abendblattes kann auf elegante Weise umgangen werden:

      newslocker.com/de-de/region/ha…vUUAyQD1MrdFUZIgeYshWiu6c
    • Habe es jetzt gerade erst gelesen. Eine herrliche Stelle darin:

      „ ......Ein Dirigent muss viel Selbstvertrauen haben. Aber wenn das Ego überhandnimmt, blockiert das das Musizieren. Es ist die Persönlichkeit des Komponisten, die uns interessiert, nicht die Persönlichkeit des Dirigenten. Wir sind beneidenswerte Menschen, denn wir dürfen – ein Kollege formulierte das so – jeden Tag mit Gott sprechen. Er meint: Mit den größten Komponisten, die in der Partitur verborgen sind.

      Blöd, wenn man dort steht, und Gott – also: der Komponist – antwortet nicht?

      Herbert Blomstedt: Antwortet er nicht, ist das unser Fehler. Dann haben wir die falschen Fragen gestellt. Vielleicht antwortet er morgen.…”


      Herrlich.


      Ich wage es Blomstedt zu kommentieren (Musiker selber können das nicht, weil es zu überheblich klingen könnte) :


      Blomstedt sagt hier, daß entweder Gott* selbst die Musik komponiert hat, oder, daß der menschiche Komponist Gott gehört und in Musik übersetzt hat.


      Ein herrausragender Dirigent (Musiker, Sänger) vergisst sich selbst, wenn er auf der Bühne steht und er wird „Instrument“ Gottes.


      Für einen Dirigenten wird das Orchester das Musikinstrument, welches er „bedient“. Die einzelnen Instrumente sowohl auch das Ganze werden Teil seiner selbst; er „spielt“ sie so, als ob sie ein Kürperteil seiner selbst seien.


      Die Musiker, die im Orchester sitzen, warten auf einen Dirigenten, der dies ermöglichen kann. Sie brauchen ihn, um ihren Teil beitragen zu können. Sobald sie bemerken, daß ein Dirigent es kann, stellen sie sich willig in den Dienst. So bedienen sich der Dirigent und das Orchester gegenseitig, wie Mann und Frau.


      Das Ego, von dem Blomstedt spricht, wird von Angst gefüttert. Wenn der Dirigent oder seine Musiker Angst haben, dann denken sie zu viel an sich selbst, nämlich daran, dass sie persönlich in den Augen des Publikums versagen könnten. Sie denken dann eher an wie sie aussehen, oder ob die Kritiker sie mögen, oder ob sie nun endlich bald in der Carnegiehall spielen dürfen. Dann wird der Fluss blockiert und die Sache verkrampft sich. Wie bei Mann und Frau, wenn der eine Angst vor dem anderen hat.


      Im Grunde genommen ist erklingende Musik eine Sprache Gottes, die wir verstehen können – und da wären wir dann endlich bei J S Bach angelangt, dessen Musik meiner Meinung nach für den heutigen Musiker am allerschwierigsten überzeugend wiederzugeben ist. Weil man sich dafür völlig selbst vergessen und eins mit dem Rhythmus, der (Dis-+) Harmonie und des Kontrapunktes des Universums werden müsste. Genau in dem Moment, wo man auf der Bühne steht und sich in die Hosen macht.

      * Hier ist nicht nur der Abrahamistische Gott gemeint.
    • Goldschmied schrieb:

      Ich wage es Blomstedt zu kommentieren (Musiker selber können das nicht, weil es zu überheblich klingen könnte) :


      Blomstedt sagt hier, daß entweder Gott* selbst die Musik komponiert hat, oder, daß der menschiche Komponist Gott gehört und in Musik übersetzt hat.
      Er will wahrscheinlich einfach nur sagen, dass der jeweilige Komponist für ihn die jeweils höchste Instanz ist. Macht ja auch Sinn. :)
    • Zwischenrufer2 schrieb:

      Goldschmied schrieb:

      Ich wage es Blomstedt zu kommentieren (Musiker selber können das nicht, weil es zu überheblich klingen könnte) :


      Blomstedt sagt hier, daß entweder Gott* selbst die Musik komponiert hat, oder, daß der menschiche Komponist Gott gehört und in Musik übersetzt hat.
      Er will wahrscheinlich einfach nur sagen, dass der jeweilige Komponist für ihn die jeweils höchste Instanz ist. Macht ja auch Sinn. :)
      warum dann Gott ins Spiel bringen. Das vermeidet man doch eher.......
    • Goldschmied schrieb:

      warum dann Gott ins Spiel bringen. Das vermeidet man doch eher.......
      Er benutzt "Gott" als Methapher, um zu unterstreichen welche Bedeutung für ihn dessen "Schöpfer" bei der Interpretation eines Werkes hat. Dies ergibt doch ein klares Bild. Warum man dies vermeiden sollte, verstehe ich nicht. ?(

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Zwischenrufer2 ()

    • Goldschmied schrieb:

      warum dann Gott ins Spiel bringen. Das vermeidet man doch eher.....
      Da fällt mir doch ganz zusammenhangslos wieder meine Lieblingsstelle aus Peter Shaffers 'Amadeus' ein: "Ich möchte ein Finale schreiben, das eine halbe Stunde dauert! Aus dem Quartett wird ein Quintett, ein Sextett - und weiter und weiter, umfassender und umfassender - die Töne multiplizieren sich und wachsen - und es entsteht ein Klang, der völlig neu ist! ... Ich möchte wetten, so hört Gott die Welt! Millionen Töne steigen gleichzeitig empor und vereinen sich in Seinem Ohr zu einer nie endenden Musik, die für uns ganz unvorstellbar ist."
      ... Wunder warten bis zuletzt.
    • Zwischenrufer2 schrieb:

      Goldschmied schrieb:

      warum dann Gott ins Spiel bringen. Das vermeidet man doch eher.......
      Er benutzt "Gott" als Methapher, um zu unterstreichen welche Bedeutung für ihn dessen "Schöpfer" bei der Interpretation eines Werkes hat. Dies ergibt doch ein klares Bild. Warum man dies vermeiden sollte, verstehe ich nicht. ?(
      Ich glaube da drehen wir uns im Kreis.....
      Lesen Sie nochmal das Zitat. Und vergessen Sie nicht, den zweiten Teil mit zu beachten: das mit Frage stellen und Antwort bekommen. So würde man nicht über einen Komponisten sprechen. Der Komponist ist auch nicht in der Partitur verborgen.
      Man kann es so oder so verstehen. Wie immer bei dem Thema. Ist Gott der Komponist oder ist der Komponist Gott im metaphoriscchen Sinn. Ich sträube mich dagegen, daß ein Komponist selbst im metaphorischen Sinn ein Gott ist, denn das könnte Auswüchse haben, wie wir in der Wagnerliteraturdiskussion gesehen haben. Das ist aber vielleicht kein ziehendes Argument. Mein bestes Argument ist, daß ich noch nie von einem Genie selbst gelesen habe, daß er/sie behauptet es wäre auf dem eigenen Mist gewachsen, sondern eigentlich selbst immer nach oben deutet. Aber bitte, ich warte auf Beweise des Gegenteils, oder Gegenargumente.

      Ich gehe nie in die Kirche, nur um das hier klarzustellen. ich lese auch nicht täglich in der Bibel. Aber ich finde sehr interressant, daß man von Komponisten und Musikern immer wiieder zweideutige Aussagen zu hören bekommt. Asteria hat ja auch was dazu gesagt. Auch Wagner hat einmal geklagt, dass die Komposition eine Wendung genommen hätte, die er selbst nicht beabsichtigt habe. Ich glaube es ging (sogar) um eine Stelle im Parsifal, aber bin mir nicht ganz sicher. Aber er hat es aufgebracht Cosima erläutert. Anne Sophie Mutter sagte einmal Musik sei die Verbindung von Himmel und Erde.
      Die können alle spinnen, oderr eben nicht, oder sie meinen es alle metaphorisch.