Elektra

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    • Ich muss leider sagen: von meinen neun szenischen "Elektras" war diese die schwächste. Und in musikalischer Hinsicht ebenfalls:

      Rachel Nicholls verfärbt in der Titelpartie die Vokale und zieht die zu tief getroffenen Töne regelmäßig hoch als sei sie Gwyneth Jones oder Petra Lang. Vom Prädikat "hochdramatisch" ist sie so weit entfernt wie die SPD vom Bundekanzleramt. Anna Danik besitzt für die Partie der Klytämnestra eine ungewohnt intakte, kraftvolle Stimme - leider nur in der Höhe. Die tiefen Register ("schlachte, schlachte...") werde bestenfalls deklamiert. Die Abgründe der Hofmannsthalschen Texte treten kaum zu Tage. Sarah Cambidge singt als Chrysothemis die Verwandtschaft in Grund und Boden, sie hat ausreichend Kraft und Legato, auch wenn sie am Anfang etwas spitz klingt. Der einzige Lichtblick, denn auch Renatus Meszars Orest klingt fahl.

      Auch das Dirigat von Brown war schlecht - und zwar so richtig. Viel zu zügig (100 Minuten), daher kaum Luft zum Atmen, reine Dezibel machen noch längst keine Archaik und statt des viel zitierten "Elfenklanges" rumpelt die Polka für Trolle im Graben. Vor allem die Trompeten sind eine Pein. Man merkt, dass der letzte Strauss (Rosenkavalier) ein halbes Jahrzehnt her ist.

      Unsäglich banal die Inszenierung von Keith Warner - man weiß bis zu letzt nicht, ob Elektra nun Elektra oder eine Museumsbesucherin mit Familientrauma ist, deren Hirngespinste ein Eigenleben entwickeln. Dementsprechend vage und spannungslos sind die Familienbeziehungen. Peinlich wirkt der Mord an der Mutter à la Salome (Tüte auf den Kopf, dann Kopf abhacken im Spülbecken und mit Tüte über die Bühne laufen) und sorgt für Gelächter. Fremdscham zuvor bei der Erkenntnisszene: Elektra und Orest fallen übereinander her als seien sie die Wälsungen. Die vielen rein- und rausfahrenden Museumsvitrinen, Ausstellungsgegenstände,das Barbiezimmer der Chrysothemis oder die erwähnte Küche sind schlussendlich nur Füllmasse, Ablenkung, um die intellektuelle Leere, den anspruchslosen Ansatz der Regie zu überdecken.