Tannhäuser

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    • Gestern war ich zur Wiederaufnahme der Konwitschny-Produktion in der Semperoper. Es hat sich gelohnt! Dass Omer Meir Wellber ein begabter Dirigent ist, war mir nicht neu. Dennoch war sein fulminantes Dirigat mit straffen Tempi, einer klaren Zeichengebung und viel Arbeit mit der linken Hand eine erfreuliche Überraschung für mich. Stephen Gould ist seit Jahren eine Bank als Tannhäuser. Trotz seiner gewaltigen Stimme hat er die Partie durchaus differenziert gesungen. Als Elisabeth hat Dorothea Röschmann ein eindrucksvolles Rollendebüt gegeben. Dabei hat sie mir im dritten Akt mit einem sehr innig gesungenem Gebet noch besser als im 2. Akt gefallen, wo ich ihren Gesang etwas verhalten fand. Ekaterina Gubanova gab eine stimmschöne, aber insgesamt recht blasse Venus. Als Wolfram war kurzfristig Markus Eiche eingesprungen und konnte mit einem virilen Rollenporträt voll und ganz überzeugen. Einige hölzerne Töne zu Beginn waren da schnell vergessen. Über Georg Zeppenfeld als Landgraf muss man nicht viel sagen, da steht der Name für Qualität. Insgesamt war das eine sehr hochwertige Aufführung, die die Fahrt nach Dresden gelohnt hat.
    • Ich besuchte die zweite Vorstellung am Samstag und kann mich im Großen und Ganzen dem Kapellmeister anschließen:
      Zugegebenermaßen unerwartet beeindruckte mich Dorothea Röschmann am meisten, die eine sensationelle Elisabeth sang: Jugendlich jubelnd die Hallenarie, mit enorm viel Durchsetzungsvermögen im weiteren Verlauf des 2. Akts und innigem Gebet im 3. Akt. Das war durchweg einfach unglaublich gut gesungen, die Diktion war dazu hervorragend - wobei die Textverständlichkeit bei allen Solisten sehr gut war außer bei Ekaterina Gubanova. Sie bildete insgesamt auch den Schwachpunkt der Aufführung, indem sie viel zu brav blieb für eine Venus, teilweise nicht zu hören war und in der Höhe mit unschönen Schärfen und Intonationsproblemen auffiel. Hoffentlich wird das noch besser bis zum Sommer in Bayreuth...
      Die Herren waren durch die Bank weg mehr als zufriedenstellend: Stephen Gould mit markant männlichen Timbre und souverän wie immer (auch wenn er sich im Finale 2 festzusingen drohte) und einer hervorragend gestalteten Rom-Erzählung. Christoph Pohl war wieder genesen und gab einen sehr liedhaft gesungenen Wolfram, dem es aber auch nicht an Kraft und Durchsetzungsvermögen mangelte. Und Zeppenfeld ist einfach Zeppenfeld: großartig balsamisch mit leichter Höhe und sonorer Tiefe.
      Der Damenchor zu Beginn klang noch recht unsauber, danach trumpften gerade die Herren aber gewaltig auf. Das Orchester präsentierte sich in hervorragender Verfassung mit herrlich gespielten Soli unter der sehr sicheren Leitung von Omer Meir Wellber, der stets eine gute Balance wahrte und bei den Sängern war.
      Die Inszenierung sollte Herr Theiler jedoch gerne zeitnah zum Verschrotten freigeben...