"Zauberflöte" ... oder so ähnlich an der Staatsoper

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    • es hagelt Verrisse:
      ft.com/content/ae5b3906-3370-11e9-9be1-7dc6e2dfa65e (Null von 5 möglichen Sternen)
      "There are natural catastrophes, such as floods and earthquakes. And then there are man-made catastrophes, such as Yuval Sharon’s new production of Die Zauberflöte at Berlin’s Staatsoper."

      kulturradio.de/rezensionen/bue…/02/Die-Zauberfloete.html
      deutschlandfunkkultur.de/die-z…ml?dram:article_id=441324
      tagesspiegel.de/kultur/zauberf…ekenntnisse/24009916.html
      swr.de/swr2/programm/sendungen…=659282/otckph/index.html
    • Macht auf jeden Fall einen interessanteren Eindruck als die Ever-Dingsda Zauberflöte (sowohl die Münchner als auch die Berliner)
      Garstig glatter
      glitschriger Glimmer!
      Wie gleit' ich aus!
      Mit Händen und Füßen
      nicht fasse noch halt' ich
      das schlecke Geschlüpfer!
      Feuchtes Naß
      füllt mir die Nase:
      verfluchtes Niesen!

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    • Th.E. schrieb:

      Macht auf jeden Fall einen interessanteren Eindruck als die Ever-Dingsda Zauberflöte (sowohl die Münchner als auch die Berliner)
      ich bin sicher sie bekommen jede Menge Karten geschenkt, um da rein gehen zu können, auf facebook werden die ersten angeboten. Viel Vergnügen.
      Ich habe übrigens die Generalprobe in der Pause, wie viele andere auch, verlassen. Etwas auf jeder Ebene derartig desaströses habe ich seit dem Premieren-Debakel des Freischütz von Niels-Peter Rudolph in München 1990 nicht mehr erlebt.
    • Th.E. schrieb:

      Macht auf jeden Fall einen interessanteren Eindruck als die Ever-Dingsda Zauberflöte
      Na, ja. Die Everding-Inszenierung (ich kenne nur die Berliner) ist natürlich ganz und gar und demonstrativ reaktionär. Die ästhetische Grundentscheidung ist schlicht indiskutabel, da sind wir uns einig. Nichtsdestoweniger muss man zugestehen, dass es die Arbeit von einem ist, der das Regiehandwerk beherrscht und, was er machen will, auch kann.

      Im Falle dieser Neuinszenierung hat der Regisseur eine Grundentscheidung getroffen (alle Sänger zu Marionetten zu machen), zu der ihm jeder, der etwas von der Sache versteht, gesagt hätte: »Mein lieber Scholli, da musst du aber ein außerordentlicher Könner sein, wenn du hinkriegen willst, dass das nicht nach 5 Minuten langweilig wird und alle (Sänger, Techniker, Zuschauer) nur noch nervt.« Und da dieser Regisseur, wie seine Arbeit am »Lohengrin« (soweit da etwas von Regie zu sehen war) überdeutlich gezeigt hat, vom Handwerk der Opernregie überhaupt nichts versteht, konnte das nur mit Karacho in die Binsen gehen. Und das ist eigentlich nicht interessanter als eine zwar inhaltlich und ästhetisch fragwürdige aber auf ihre Weise gekonnte Inszenierung.
      Reicher Mann und armer Mann / Standen da und sahn sich an. / Und der arme sagte bleich: / Wär ich nicht arm, wärst du nicht reich.
      Bertolt Brecht

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Katzenmueller ()

    • Katzenmueller schrieb:

      Th.E. schrieb:

      Macht auf jeden Fall einen interessanteren Eindruck als die Ever-Dingsda Zauberflöte
      Na, ja. Die Everding-Inszenierung (ich kenne nur die Berliner) ist natürlich ganz und gar und demonstrativ reaktionär. Die ästhetische Grundentscheidung ist schlicht indiskutabel, da sind wir uns einig. Nichtsdestoweniger muss man zugestehen, dass es die Arbeit von einem ist, der das Regiehandwerk beherrscht und, was er machen will, auch kann.
      Im Falle dieser Neuinszenierung hat der Regisseur eine Grundentscheidung getroffen (alle Sänger zu Marionetten zu machen), zu der ihm jeder, der etwas von der Sache versteht, gesagt hätte: »Mein lieber Scholli, da musst du aber ein außerordentlicher Könner sein, wenn du hinkriegen willst, dass das nicht nach 5 Minuten langweilig wird und alle (Sänger, Techniker, Zuschauer) nur noch nervt. Und da dieser Regisseur, wie seine Arbeit am »Lohengrin« (soweit da etwas von Regie zu sehen war) überdeutlich gezeigt hat, vom Handwerk der Opernregie überhaupt nichts versteht, konnte das nur mit Karacho in die Binsen gehen. Und das ist eigentlich nicht interessanter als eine zwar inhaltlich und ästhetisch fragwürdige aber auf ihre Weise gekonnte Inszenierung.
      In letzter Zeit spielte diese Everding-Inszenierung aber nur so vor sich hin. Eigentlich bewegten sich die Sänger, wie sie mal Laune hatten (oder auch nicht!). , zwischen den Schinkel-Bildern hin und her. In der "neuen" Produktion scheint es aber auch in der musikalischen Realisierung etliche Fragen zu geben. Nun steht da der recht kurzfristige Ausstieg von Welser-Möst (die Idee, den Papageno mit einem Schauspieler zu besetzen, stammt angeblich von ihm). Ich glaube, in vergleichbaren Produktionen (z.B. der Kosky-Zauberflöte) braucht es Dirigenten, die mit der Stilisierung der Bewegungen auf der Bühne (Film oder Marionetten) zurechtkommen - das ist hier nicht der Fall. Schon möglich, daß die Dirigentin gar nicht wußte, daß sie hier eine besondere szenische Situation vor sich hat.
      Und wenn das doch mit Karacho in die Binsen ging, hat denn da das künstlerische Team (der Intendant) nichts dazu gesagt?
    • Gast1 schrieb:

      [...] hat denn da das künstlerische Team (der Intendant) nichts dazu gesagt?
      Das kann man nicht wissen, da es aus gutem Grund unüblich ist, solche Diskussionen in der Öffentlichkeit zu führen. Sicher ist immerhin: Eine Premiere sagt man nicht so schnell ab. Dann hat man nämlich dieselben Kosten aber keine Premiere und keine Folgevorstellungen, mithin keine Einnahmen, die gegen die Kosten aufrechenbar wäre. Also versucht man in einem solchen Falle meistens, zu retten, was zu retten ist, und hofft bis zum Ende, dass noch ein Wunder geschieht, was bekanntlich im Theater hin und wieder vorkommt.

      Natürlich war spätestens nach dem »Lohengrin«-Desaster leicht vorauszusehen, dass das nichts werden kann, aber auch in einem solchen Falle ist es nicht so leicht. Die Verträge waren vermutlich schon geschlossen, Teile des Bühnenbildes waren schon in Arbeit oder fertig, auch hier also auf jeden Fall Kosten. Und ob man ein Regieteam gefunden hätte, das in relativ kurzer Zeit eine bessere Inszenierung hätte machen können, weiß man auch nicht. Also hofft man, dass ein Wunder geschieht...

      Die eigentliche Frage ist natürlich, warum man so einen Dilettanten überhaupt engagiert. Aber auch da liegen die Dinge nicht ganz so einfach. Da spricht sich herum, dass es einen aufgehenden Stern gibt, um den sich bald alle reißen werden. Also will man zu den Ersten gehören, in deren Haus er erglänzt. Das Risiko ist hoch, aber wenn man nicht gleich zuschlägt, hat man vielleicht erst in ein paar Jahren wieder eine Chance, wenn der erste Lack schon ab ist.
      Reicher Mann und armer Mann / Standen da und sahn sich an. / Und der arme sagte bleich: / Wär ich nicht arm, wärst du nicht reich.
      Bertolt Brecht
    • Katzenmueller schrieb:

      Na, ja. Die Everding-Inszenierung (ich kenne nur die Berliner) ist natürlich ganz und gar und demonstrativ reaktionär. Die ästhetische Grundentscheidung ist schlicht indiskutabel, da sind wir uns einig. Nichtsdestoweniger muss man zugestehen, dass es die Arbeit von einem ist, der das Regiehandwerk beherrscht und, was er machen will, auch kann.
      Im Falle dieser Neuinszenierung hat der Regisseur eine Grundentscheidung getroffen (alle Sänger zu Marionetten zu machen), zu der ihm jeder, der etwas von der Sache versteht, gesagt hätte: »Mein lieber Scholli, da musst du aber ein außerordentlicher Könner sein, wenn du hinkriegen willst, dass das nicht nach 5 Minuten langweilig wird und alle (Sänger, Techniker, Zuschauer) nur noch nervt. Und da dieser Regisseur, wie seine Arbeit am »Lohengrin« (soweit da etwas von Regie zu sehen war) überdeutlich gezeigt hat, vom Handwerk der Opernregie überhaupt nichts versteht, konnte das nur mit Karacho in die Binsen gehen. Und das ist eigentlich nicht interessanter als eine zwar inhaltlich und ästhetisch fragwürdige aber auf ihre Weise gekonnte Inszenierung.
      Ich habe auch nie geleugnet, dass Everding oder gar der von mir außerordentlich geliebte Schenk ihr Handwerk beherrsch(t)en. Es ist nur, wie Sie selbst im ersten Absatz andeuteten, deren Ästhetik, an der ich mich immer abarbeite. Dazu kommt eben noch, dass genau diese Ästhetik von einem nicht übersehbaren Teil des Publikums gewissermaßen zu einem Ideal erhoben werden. Aber manchmal - nicht immer, nur manchmal - bin ich deswegen aus reinem Trotz, nur um der Reibung willen, bereit, Arbeiten von Theatermachern, die ihr Handwerk scheinbar nicht beherrschen, dennoch in Kauf zu nehmen. Eine Ästhetik des Hässlichen aus Trotz, wenn Sie so möchten.

      Aber als ich sagte, dass diese Zauberflöte einen interessanten Eindruck machte, dann meinte ich nur, dass ich mich es insoweit interessiert, als dass ich den finanziellen und zeitlichen Aufwand auf mich nehmen würde, nach Berlin zu fahren und sie mir anzuschauen. Ich schließe keineswegs aus, dass ich mich gemäß Ihrer Prognosen nach fünf Minuten langweile.
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    • Th.E. schrieb:

      Ich habe auch nie geleugnet, dass Everding oder gar der von mir außerordentlich geliebte Schenk ihr Handwerk beherrsch(t)en.
      Das habe ich bemerkt. Das wollte ich mit der Bemerkung »da sind wir uns einig« ausdrücken wollen, die auch für die Ergänzungen gilt, die Sie jetzt noch gemacht haben. Nicht einig sind wir uns freilich in dem anderen Punkt: Ich meine, ein Kunstwerk muss erst einmal gekonnt sein. Irgendetwas Überambitioniertes, das aus Mangel an Können scheitert, finde ich nicht interessant. Ich habe vielleicht eine interessante Idee, wie man Beethoven op.111 spielen müsste, aber wenn ich es tun würde, würde man weder meine Idee erkennen noch sonst irgendeinen Gewinn davon haben, weil das Ergebnis einfach Blödsinn wäre. Ich kann das nämlich nicht spielen. Und wenn ich bei jedem zweiten Ton danebengreife (bei Sharons »Lohengrin«-Inszenierung war es jeder), dann taugt das nichts. Ich glaube übrigens auch, dass ein Künstler, dem die handwerkliche Fähigkeit fehlt, seine Idee zu realisieren, auch keine wirklich interessant Idee entwickeln kann. Denn interessant ist eine solche Idee nur dann, wenn sie realisierbar ist, und das kann einer, dem die Fähigkeit dazu abgeht, gar nicht beurteilen.
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    • Gast1 schrieb:

      Ich glaube, in vergleichbaren Produktionen (z.B. der Kosky-Zauberflöte) braucht es Dirigenten, die mit der Stilisierung der Bewegungen auf der Bühne (Film oder Marionetten) zurechtkommen
      das ist relaltiv einfach, da es da fast keine Interaktion der Sänge gibt. Die kommen ja immer nur aus einer Öffnung hervor und stehen dann ja wie angewurzelt an einer Stelle.
      In der Sharon-Flöte jedoch sind die Sänger hingegen meist so platziert - hängend, schwebend, fliegend, von Kostümen behindert - dass der Kontakt schwierig ist und akustisch vemutlich nur wenig vom Orchester ankommt.
    • JLSorel schrieb:

      Ich weiß auch gar nicht, wie es zu diesem Sharon Hype gekommen ist, auch seine Karlsruher Walküre soll eher mittelprächtig gewesen sein.
      Als er diese »Walküre« in den Sand gesetzt hatte, waren ja schon alle Messen gelesen. Die Opernhäuser müssen eben sehr langfristig planen. Und bei dem Bayreuther Desaster konnte man sich, wenn schon sonst nichts mehr zu machen war, immerhin noch einreden, dass der Regisseur an dem Bombast dieser restlos theaterfremden Ausstattung und der erdrückenden Übermacht des Ausstatterteams gescheitert ist. (Dafür musste man natürlich sehr nachdrücklich wegschauen, aber es gibt eben gewisse Zwänge.)
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