Immersive Kunst (Theater, Performance)

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Immersive Kunst (Theater, Performance)

      Ein, wie ich finde, sehr interessanter, gründlich analysierender und überzeugend argumentierender Artikel zum im Betreff genannten Thema. Vor allem deshalb, weil er nicht in einer rein ästhetischen Debatte steckenbleibt, sondern den Rahmen der Betrachtung weit steckt. Für die Oper spielt das jetzt allenthalben ausgeschlachtete Thema »Immersion« ja (noch?) keine Rolle, aber für jene, deren Interesse über die Grenzen ihres Kirchspiels hinausgeht, ist der Text, scheint mir, eine Empfehlung wert:

      sueddeutsche.de/kultur/kunst-k…sie-reinschauen-1.4334830
      Reicher Mann und armer Mann / Standen da und sahn sich an. / Und der arme sagte bleich: / Wär ich nicht arm, wärst du nicht reich.
      Bertolt Brecht
    • Die Frage verstehe ich nicht ganz. Die Aufhebung jeglicher Distanz ist ja gerade das Ziel dieser Art Kunst. Das wird doch im Text klar ausgesprochen. Natürlich ist es trotzdem möglich, sich die Distanz zu bewahren (wiewohl nur schwer), aber vorgesehen ist das offensichtlich nicht. Und eben darum dreht sich der Artikel.
      Reicher Mann und armer Mann / Standen da und sahn sich an. / Und der arme sagte bleich: / Wär ich nicht arm, wärst du nicht reich.
      Bertolt Brecht
    • Hier noch ein Artikel zum Scheitern des Projekts in Paris. Der Text ist bei weitem nicht so gut wie der zuerst verlinkte, aber er liefert doch ein paar technische Informationen, die dem anderen wegen der anderen Zielrichtung fehlten.

      m.tagesspiegel.de/kultur/behoe…gescheitert/23906826.html
      Reicher Mann und armer Mann / Standen da und sahn sich an. / Und der arme sagte bleich: / Wär ich nicht arm, wärst du nicht reich.
      Bertolt Brecht
    • Dass die Aufhebung der Distanz das Ziel ist, ist durchaus klar. Aber das kann doch eigentlich nur *während* einer Aufführung (oder wie man es nennen soll) geschehen.
      *Nach* der Aufführung sollte es einem doch gelingen, die Distanz wieder herzustellen - sonst wäre es ja Gehirnwäsche. Und dann könnten sich beim Revue-Passieren-Lassen doch Erkenntnisse erzielen lassen, oder?

      Natürlich kommt es wie immer darauf an, ob etwas gut oder schlecht gemacht ist. Das Projekt in Paris scheint ja eher an sich selbst gescheitert zu sein als an seiner Zugehörigkeit zu einem bestimmten Genre.
    • Es geht auch nicht um die Kritik des Projekts, sondern um die Kritik der Idee, die ihm zugrundeliegt, und die im Moment der letzte Schrei im postmodernen Theaterschick ist. Und das wäre ja auch nicht weiter erwähnenswert, wenn sich darin nicht so erschreckend deutlich die starke Erosion der Demokratie zeigen würde, an deren Zerstörung der kosmopolitische Jetset, der so etwas mag (und übrigens nicht trotz sondern gerade wegen der dilettantischen Arbeit daran) in den Himmel lobt, nicht weniger intensiv arbeitet als der rechte Rand des politischen Spektrums. Das an der Struktur des ins Auge gefassten »immersiven« Ereignisses aufgezeigt zu haben, ist eine nicht gering zu veranschlagende Leistung dieses Artikels.
      Reicher Mann und armer Mann / Standen da und sahn sich an. / Und der arme sagte bleich: / Wär ich nicht arm, wärst du nicht reich.
      Bertolt Brecht
    • Verstehe ich nicht, tut mir leid. Es bleibt doch meine eigene Verantwortung als "Konsument", wie ich damit umgehe, ob ich mir die Distanz nehmen lasse oder nicht.

      Ob die Distanz gleichzeitig oder nachzeitig einsetzt, ist doch zweitrangig? (Außer sie hat keine Gelegenheit mehr zur Nachzeitigkeit, dann ist es aber nicht mehr Theater, sondern Wirklichkeit.)
    • Ja, so ist das im Leben. Wenn man eben mal fix irgendwohin schaut und sich sein Urteil bildet, an dem man dann starr festhält, ohne es je zu überprüfen, ist es fast sicher, dass man nur wenig oder gar nichts begriffen hat. Dann hat man zwar den Vorteil, dass man nie auslernt, aber man lernt auch nie etwas dazu.
      Reicher Mann und armer Mann / Standen da und sahn sich an. / Und der arme sagte bleich: / Wär ich nicht arm, wärst du nicht reich.
      Bertolt Brecht
    • z4z5 schrieb:

      Verstehe ich nicht, tut mir leid. Es bleibt doch meine eigene Verantwortung als "Konsument", wie ich damit umgehe, ob ich mir die Distanz nehmen lasse oder nicht.
      Angesehen davon, dass ich das stark bezweifle, geht es hier um die Absicht und das dahinterstehende Welt- und Menschenbild. Dafür ist die Frage, ob das wirklich so funktionieren kann, durchaus zweitrangig. Allerdings wundert mich dieser Optimismus an einer Welt, in der mehr und mehr Menschen die Kontrolle freiwillig an irgendwelche Marketing-Abteilungen abgeben und freudig in der von diesen kreirten Welt leben. (In einer Art Truman-Show, in der alle Truman und keiner mehr Zuschauer ist. Das ist es ja eben, was diese »immersiven« Projekte auf die Spitze treiben.)
      Reicher Mann und armer Mann / Standen da und sahn sich an. / Und der arme sagte bleich: / Wär ich nicht arm, wärst du nicht reich.
      Bertolt Brecht
    • Aber gerade die Erkenntnis, dass und wie weit man selbst dazu bereit ist, die Kontrolle abzugeben, könnte durch so ein auf die Spitze getriebenes Werk doch eventuell in Gang kommen? Das fände ich nichts schlechtes.

      Allerdings unterstelle ich den Herstellern (auch wieder so ein Hilfsbegriff) damit zugegebenermaßen ein psychologisch-pädagogisches Interesse. Welches andere Motiv könnte dahinterstecken?
    • Den Deklarationen der Macher und der Theoretiker und Hochjubler der »Immersion« ist gerade das nicht beabsichtigt. Dass ihre Absichten möglicherweise an sich selber scheitern, kann schon sein, ändert aber nichts an ihnen. Und diese werden hier untersucht. Und sie passen in die Landschaft, wie ich schon andeutete.
      Reicher Mann und armer Mann / Standen da und sahn sich an. / Und der arme sagte bleich: / Wär ich nicht arm, wärst du nicht reich.
      Bertolt Brecht
    • Katzenmueller schrieb:

      Ja, so ist das im Leben. Wenn man eben mal fix irgendwohin schaut und sich sein Urteil bildet, an dem man dann starr festhält, ohne es je zu überprüfen, ist es fast sicher, dass man nur wenig oder gar nichts begriffen hat. Dann hat man zwar den Vorteil, dass man nie auslernt, aber man lernt auch nie etwas dazu.
      Ja ja, schon recht, aber eben neu ist der Gedanke von der zerstörerischen Wirkung kosmopolitischer Eliten eben nicht, auch wenn er jüngst von Politikern unterschiedlichster Couleur gerade wieder aufgewärmt wurde, vielmehr ist ja ein alter Hut, ein ganz alter sogar.
      It is only shallow people who do not judge by appearances. The true mystery of the world is the visible, not the invisible. Oscar Wilde
    • Es gab zum Beispiel kürzlich ein Interview mit Thomas Oberender in der »Deutschen Bühne« und einen Leserbrief dazu, der einige der Gedanken aus diesem Artikel ebenfalls entfaltet. Ansonsten müssen Sie die einschlägigen Publikationen durchforsten. Die Theaterwissenschaft befasst sich seit einiger Zeit (nach meiner Übersicht vornehmlich apologetisch) mit dem Phänomen. Eine Bibliographie habe ich aber nicht angelegt. Und hier stehen mir mein Zettelkasten auch nicht zur Verfügung, so dass ich nicht schnell mal nachschauen kann. Mehr kann ich leider nicht helfen. Aber es gab ja in letzter Zeit mehr als genug Projekte dieser Art (wenn auch meist nicht so riesenhaft angelegt wie dieses). Darüber lässt sich sicherlich leicht so einiges finden.
      Reicher Mann und armer Mann / Standen da und sahn sich an. / Und der arme sagte bleich: / Wär ich nicht arm, wärst du nicht reich.
      Bertolt Brecht
    • JLSorel schrieb:

      Ja ja, schon recht, aber eben neu ist der Gedanke von der zerstörerischen Wirkung kosmopolitischer Eliten eben nicht,
      Habe ich behauptet, dass er neu ist? Der Gedanke, dass sich die Erde um die Sonne dreht, ist auch nicht gerade neu. Was besagt das über seine Gültigkeit?
      (Auf den Bezug, den Sie da herstellen wollen, gehe ich lieber nicht ein. Man stelle sich vor, welches Geschrei Ihre Krawallschachteln erhoben hätten, wenn ich das anzudeuten gewagt hätte. Sie müssen sich nicht die Mühe machen, zu erklären, dass Sie gar nicht wissen, was ich meine. Das ist schon klar,)
      Reicher Mann und armer Mann / Standen da und sahn sich an. / Und der arme sagte bleich: / Wär ich nicht arm, wärst du nicht reich.
      Bertolt Brecht
    • Katzenmueller schrieb:

      Auf den Bezug, den Sie da herstellen wollen, gehe ich lieber nicht ein.
      Mir drängen sich nur - ganz unwillkürlich - gewisse Assoziationen auf, wenn ich diese Begrifflichkeit höre, und die würden mich davon Abstand nehmen lassen, sie zu verwenden, schon um Missverständnisse zu vermeiden. Allerdings käme ich wohl auch erst gar nicht in die Verlegenheit, sie in den Mund zu nehmen, da ich an das damit beschriebene Phänomen nicht glaube.
      It is only shallow people who do not judge by appearances. The true mystery of the world is the visible, not the invisible. Oscar Wilde