Schuberts Große Symphonie im 8. Symphoniekonzert

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    • Schuberts Große Symphonie im 8. Symphoniekonzert

      Nachdem Franz Schubert am 19. November 1828 im Alter von 31 verstorben war und sein Vermögen staatlicherseits geschätzt werden sollte, stellte der zuständige Beamte fest,dass Schubert außer zehn Gulden, einigen Kleinigkeiten nur einige alte Noten hinterlassen habe.

      Robert Schumann ist es zu verdanken, dass er am Neujahrstag 1839 während eines Wien-Aufenthalts Schuberts Bruder Ferdinand aufsuchte, in dessen Wohnung Schubert gestorben war. Der Bruder präsentierte seinem Gast diesen Nachlass, der mit Kennerblick freudeschauernd „das Wunderwerk des Verstorbenen, das Manuskript der Großen Symphonie“ aus dem angehäuften Reichtum heraussuchte und dem Gastgeber empfahl, das Werk Mendelssohn Bartoldy anzuvertrauen. Dessen feinen Blick werde keine schüchtern auf knospende, geschweige denn so offenkundige, meisterhaft strahlende Schönheit entgehen.

      Die Leipziger waren von der genialen Schöpfung so ergriffen und entzückt, dass am 21. März 1839 die bereits um 1825 komponierte Symphonie im Gewandhaus unter Leitung des Felix Mendelssohn Bartoldy zum ersten Mal erklingen konnte.

      Schubert hatte zwar das Manuskript 1826 der Wiener Gesellschaft der Musikfreunde gewidmet und dafür eine Ehrengabe von 100 Gulden erhalten Die Gesellschaft habe aber auf eine Aufführung verzichtet, da das Werk mit schwierigen Passagen gespickt sei und man vor allem nur auf Laienmusiker zurückgreifen könne. Schubert erhielt sein Opus zurück.

      Handschriftliche Vermerke deuten, dass er bis 1828 an der Partitur gefeilt habe.

      Inzwischen hat die Gesellschaft der Musikfreunde die Originalpartie für ihr Archiv zurückgefordert und mit einer Millionen Euro versichert.

      In einem ZEITmagazin- Interview hatte 2011 Christian Thielemann erzählt, er habe als Jugendlicher eine Schallplatte mit der Furtwängler-Einspielung der „neunten“ von Franz Schubert erhalten. Da habe er sofort gewusst: Das ist es, dieser dunkle Klang, diese flexiblen Tempi! Er hatte das Gefühl, es zerrt an ihm.

      Mit der Staatskapelle Dresden standen ihm Musiker zur Seite, mit denen er eine derartige Aufführung seinerseits realisieren konnte.

      Bereits mit dem Kopfsatz deutete der Dirigent an, wie er Schubert verstanden habe möchte. Nach dem Auftakt der Hörner wurden keine romantisierenden Blümlein gepflückt. Alles Pathetische und jede Morbidität wurden vertrieben. Mit geradliniger Energie wurden die Melodien vorangetrieben. Als am Ende des ersten Satzes das Hornthema zurückkehrte, war das Allegretto kaum merkbar.

      Mit dem zweiten Satz- Andante con moto- bewegte Christian Thielemann sein Orchester mit der sensiblen Oboe der Céline Moinet und der wehmütigen Entgegnung der Solo-Klarinette Wolfgang Großes hinein in den Melodienreichtum, der in epischer Breite ausgelebt wird. Der Wandercharakter blieb dank des durchgehaltenen Tempos erhalten. Bis dann Trompeten und wundervoll eigenständige Posaunen die Musik zu einem Schreckensklang zusammen ballen. Erst wenn die Celli wieder einzustimmen wagen und zum Zentrum des Geschehens werden, schließt der Satz ab.

      Da Franz Schubert einen langsamen Satz als unpassend nicht komponiert hatte, ließ auch Christian Thielemann mit dem Scherzo (Allegro vivace)seinem Publikum keine Gelegenheit zum ruhig durchatmen. Delikates Spiel der Holzbläser und Streicher ergänzten sich auf das Vollkommenste. Hier entwickelte sich der dunkle Dresdner Klang auf das Wunderbarste. Erst das Trio wurde etwas gemächlicher genommen und die Klangschichten präzise ausbalanciert.

      Das Finale gestalteten Dirigent und Orchester zu einer Euphorie der Lebensfreude. Der Höhepunkt der Durchführung wird nicht brutal herausposaunt, sondern markant und transparent gespielt bis dann die Symphonie furios fast abrupt abschloss.

      Als Einstieg in das 8. Saisonkonzert spielten die Horn-Solisten Zoltán Mácsai und Jochen Ubbelohde sowie die Zweiten Hornisten Julius Rönnecke und Miklós Takács gemeinsam mit der Staatskapelle Robert Schumanns Konzertstück für vier Hörner und Orchester F-Dur op. 86.

      Schumann hatte das Stück 1849 aus Begeisterung ob der Weiterentwicklung des Hornes zum Ventilhorn durch die Instrumentenbauer Schötzel und Blühmelkomponiert. Da aber die Hörner zum Schmettern neigen, gab er den vier Hörnern ein großes Orchester zur Seite, das er mit einer Pikkoloflöte und zusätzlichen Posaunen ergänzte.

      Der von Schumann mit „lebhaft“ überschriebenem erstem Satz setzte resolut ein und verschaffte dem Publikumdas plastische Hörerlebnis einer Jagdszene, als wäre ein Jägerquartett im Wald und auf der Heide unterwegs..

      Ein zartes, leicht verschwommenes Klangbildlag über der Romanze. Die Hörner sind kompakt oder aufgefächert eingesetzt. Die anspruchsvollen Solopartien von geheimnisvoller Tiefe.

      Sprühend mit intensivem Jubel geriet das Finale und rief heftigen Beifall hervor, so dass noch eine Zugabe der vier Hornisten geboten werden musste.

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von thomathi ()