Orpheus in der Unterwelt - Mannheim

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    • Orpheus in der Unterwelt - Mannheim

      Nachdem der Zug mit der guten alten Operette so langsam ins Rollen gekommen ist, will offensichtlich kein größeres Haus ohne eine solche auskommen. Gut so!
      Der Orpheus hatte am Nationaltheater Mannheim gerade seine Premiere und war soweit zu lesen positiv aufgenommen worden.
      Insgesamt habe auch ich ein positives Fazit. Die Inszenierung ist originell, viel Aufwand für Bühnenbild und Kostüme. Orchester und Solisten sehr gut, hervorheben will ich Amelia Sciocolona als Eurydike (sehr schöne Stimme, blitzsaubere Höhen) und Joachim Goltz als Aristeus/ Pluto (der mir schon als Beckmesser sehr gefallen hat). Der Rest hohes Niveau.
      Ein Problem ist allerdings aus meiner persönlichen Sicht das Stück als solches: es hat Längen, gefährliche Längen. Und man muss auch sagen, dass die beißende Ironie und der Witz der Handlung, der ja zur Zeit der Uraufführung und der damals bestehenden Zensur richtig gallig gewesen sein muss, heute in seiner Bedeutung kaum noch nachvollzogen werden kann (zum Glück).
      Dagegen kommt man offensichtlich nur an, wenn die Inszenierung mächtig auf die Tempotube drückt und auch der Faktor "schlüpfrige Erotik" nicht zu kurz kommt. Das Programmheft der Frankfurter Carmen hat dazu einen sehr guten Aufsatz zur Opera comique veröffentlicht, in dem gerade auch auf diesen Aspekt und die Parallelen zur Carmen hingewiesen wird. Dieser Aspekt wird ja von B. Kosky an seiner Komischen Oper in Berlin bei den Operetteninszenierungen gepflegt (wenn auch aus der Sicht einzelner zu deutlich), aber auch bei seiner Frankfurter Carmen, bei der allerdings die erotische Komponente sehr subtil behandelt und in den Vordergrund gestellt wird.
      Wie dem auch sei, dem Publikum hat es sehr gut gefallen, es gab viel Jubel für einen in der Summe gelungenen Abend.