L'ancêtre von Saint-Saënz im Prinzregententheater

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    • L'ancêtre ist abgehakt. Ich bin nicht untergegangen, war aber froh, als es vorbei war. Das Thema veristisch, die Musik romantisch bis impressionistisch, das passt einfach nicht zusammen. Es gab ein paar hübsche Momente: das Vorspiel beispielsweise entwickelte durchaus dramatische Qualitäten, der große Monolog der Alten Nunciata, der Trauergesang des Chors. Sehr konventionell das Duett des Liebespaares, der Sopran hatte mal minutenlang Vokalisen zu singen. Der dritte Akt zog sich ziemlich hin, musikalisch wie szenisch. Die Blut-und-Boden-Geschiche spielt auf Korsika, das hier als schwarze Bühne mit viel herumliegender Asche dargestellt wird. Der tote Léandri marschiert erst mit dem Chor herum, dann legt er sich in die Asche, dann steht er wieder auf, dann legt er sich wieder hin...
      Vom Schnürboden hängen leere Kleider herunter als Symbol für die vielen Toten, die die Blutrache in beiden Familien gekostet hat. Ein starkes Bild. Der Eremit Raphaël, der vergeblich versucht, die beiden Familien zu befrieden, schaut aus wie ein Trash-Nikolaus. Jeong Meen Ahn wird zu Beginn öfter mal vom Orchester überdeckt.
      Die beiden Mädels, die denselben Mann lieben, der noch dazu aus der verfeindeten Familie stammt, tragen brave Trägerkleidchen und rennen unmotiviert auf der Bühne herum. Vanina, die Enkelin der Alten und von dieser zur Rache verdammt, wird von Céline Akçag mit schönem, (noch zu) gleichmäßigen Mezzosopran gesungen. Milena Bischoff singt die Margarita, Vaninas Milchschwester: ein hübscher, leichter Sopran. Eine zwielichtige Rolle spielt der Schweinehirt Bursics, der die Fehde anheizt und immer ein Gewehr parat hat, gesungen von Damien Gastl mit schönem, kernigem Bariton. Alle genannten sind Studenten der Hochschule für Musik und Theater München.
      Die Ahnin Nunciata wird von Heike Grötzinger gesungen, die ich aus vielen mittleren und kleinen Partien an der Staatsoper kenne. Sie stellt die Unversöhnlichkeit der Alten mit dramatischer Durchschlagkraft dar. Noch einen weiteren Gast gab es: den Tenor Thomas Kiechle als Tébaldi. Er hat eine schöne, sicher geführte, lyrische Stimme.
      Das Dirigat von Matthias Foremny war umsichtig; es spielte das Münchner Rundfunkorchester, das sich schon öfter durch die Aufführung solcher Opernraritäten hervorgetan hat.
      Insgesamt würde ich sagen, es war gut musiziert und gesungen, die Handlung auch nicht schräger als die Forza, aber diese doch meistens irgdendwie sanfte, schöne Musik passt nicht zu der wilden Story. Vielleicht bin ich auch Fanciulla-geschädigt. Die, vier Jahre später uraufgeführt, ist eine Farbexplosion im Vergleich zum Himmelblau der Ancêtre.

      Edit: Das Prinzregententheater war zu ca. 90% gefüllt - nicht schlecht für die dritte Aufführung einer völlig unbekannten Oper an einem Werktag. Viel junges Volk.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von susakit ()