Roberto Devereux

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    • Roberto Devereux

      Man muss kein Prophet sein, um wenigstens eine Premiere der neuen Spielzeit in Karlsruhe vorherzusagen - "Maria Stuarda". Letzte Spielzeit gab es schon die "Anna Bolena", dieses Jahr dann den "Roberto Devereux". Nachdem der lokale "Freischütz" sich ins eigene Knie geschossen hatte und die "Elektra" bestenfalls "so là là" war, gab es die erste gelungene Premiere der Spielzeit. (Das "schlaue Füchslein" hab ich ausgelassen.)

      Regisseur Harry Fehr und sein Bühnenbildner belassen die Handlung im wesentlichen im 16. Jahrhundert, es gibt elisabethanische Halskrausen im Dutzend. Die Drehbühne wird klug eingesetzt und ermöglicht schnelle Szenenwechsel, die nie fast nie aktionistisch (später mehr) wirken. Interpretation im Sinne von Deutung oder gar Umdeutung gibt es nicht wirklich, bestenfalls solides Regiehandwerk, was hier jedoch zu verschmerzen ist - ein "Roberto" ist halt kein "Tristan". Die einzige Auffälligkeit ist die Gegenüberstellung der öffentlichen und der privaten Herrscherin: im Ratssaal dominiert ein kaltes Holzgrau, einzig der Herscherinnensitz ist mit Stoff überzogen, dessen Farbe das dem anliegenden Boudoir der Königin empfundenen Schlafzimmer dominiert: ochsenrotes Brokat und somit ziemlich bourgeoises 19. Jahrhundert.

      Daniele Squeo dirigiert zu Beginn etwas poltrig, das Italienisch-Leichte fehlt, gewinnt dann aber immer mehr die Oberhand. Den Sängern ist er ein guter Begleiter. Der unverwüstliche Klaus Schneider gibt den Cecil, Armin Kolarczyks Kavalierbariton schwächelt ein wenig mit dem Lord Nottingham, den ich gerne etwas zupackender gehört hätte; Jennifer Feinstein besitzt für dessen Frau Sara die notwendige dramatische Kraft. Der von mir sehr geschätzte Eleazar Rodriguez konnte nicht ganz so gut wie im letzten Jahr punkten, da wirkten die einzelnen Register nicht ganz verbunden. Dass er seine Cabaletta auf der rotierenden Drehbühne durch eine Tür zur anderen hetzten musste, war für seinen Vortrag sicher nicht zuträglich. Nichtsdestotrotz: ein hervorragender Donizetti-Tenor, der so manchen hochpreisigen Star deklassiert. Ina Schlingensiepen, nunmehr im 17. Jahr im Ensemble, liegt die verbitterte Elisabeth mehr als das junge Hascherl Anna Bolena. So manch schneidige Höhe wirkt hier besonders rollendeckend und hat nichts mit dem ätherischen-verästelten Ziergesang anderer Diven zu tun. Allerdings hätte ich mir - da klinge ich jetzt vielleicht etwas widersprüchlich, ich weiß - dennoch ein paar mehr Verzierungen oder Variationen gewünscht. Aber letztlich gilt auch hier: eine wirklich gute Leistung.

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von RagnarDanneskjoeld ()