Palm Beach Opera

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    • Palm Beach Opera

      Interessant war gestern ein Besuch der sehr unterhaltenden Fledermaus in der Palm Beach Opera. Einer Opernkompanie von der ich bis dato noch nie etwas gehört hatte. 3 Produktionen (Traviata Don Giovanni und Fledermaus) mit insgesamt 9 Aufführungen gab es diese Spielzeit. Was sich nach nicht viel anhört, scheint nur unter Aufbringung von viel Herzblut möglich zu sein. Gespielt wird im Kravis Center, welches verschiedene Räume für Musik bietet und in dem mit 2.200 Plätze fassenden Dreyfoos Saal und seinen 3 Rängen und kleinen Logen richtige Opernhaus Stimmung aufkommen lässt.

      Palm Beach ist wahrlich nicht der ärmste Fleck der Welt, so dass das für amerikanische Kulturinstitutionen so wichtige private Geld eigentlich direkt vor der Tür liegt, aber es müsste halt immer etwas mehr sein. So wird das erfreulich gut besuchte Haus vom General Director Daniel Biaggi persönlich vorm Vorhang empfangen. Sofort ahnt man, dass eine Besetzungsänderung stattfinden wird, denn warum sollte der Chef sonst vor den Vorhang kommen. Was folgt ist lediglich eine persönliche Begrüßung des Publikums, bei der man merkt, was für ein Kraftakt diese 9 Aufführungen für die Kompanie sind. Die 320 Besucher, die heute zum ersten Mal eine Aufführung der Oper besuchen, werden zum Abo animiert, alle weiteren zur Verlängerung des Abos oder zum Kauf eines solchen. Alle Zuschauer werden nach der Aufführung zur Q&A Session mit den Sängern im Orchestergraben eingeladen und die großen Geldgeber beim Namen genannt. Dankbar ist man für das Geld, da so selbst die Reinigungsgebühr für die Kostüme gezahlt werden können. Man sei stolz darauf den Sängern jeden Abend saubere Kostüme geben zu können. Großer Applaus dafür, der später nur noch nach dem Nessun Dorma von Stephanie Blythe (unglaublich! aber wahr) überboten wird und man fragt sich, wie schrecklich dieser Sängerberuf eigentlich sein mag, wenn diese oftmals schlecht bezahlt auch noch in dreckige und verschwitzte Kostüme schlüpfen müssen. Der Hinweis zum Ausschalten der Handys wird elegant drohend mit vergangenem Verhalten des Prinzen Orlofsky eingebaut. Auf der Übertitelungsanlage werden schon seit Minuten die Namen der privaten Geldgeber aufgeführt. Gesponsert werden auch einzelne Personen wir der Konzertmeister oder einzelne Rollen. Es gibt auch private Produzenten, die mit großem Bild jeweils die ersten Seiten des Programmhefts füllen und die Geldspende in „loving memory to“ ausführen. Bei einer Spende von lediglich 100.000$ oder weniger rutscht man ohne Bild mit kleiner Schriftgrösse ans Ende des Hefts und wird lediglich als einer unter vielen namentlich erwähnt. Nach großem Jubel für alle Teilnehmer hinter der Bühne und Scheinwerfern kann es dann losgehen:

      Eine Riege junger Sänger, die laut vita kürzlich 2. und 3. Preise bei Gesangswettbewerben gewonnen habe, an einigen Häusern bereits grosse Rollen gecovert haben und sogar teilweise bereits Hauptrollen in Glyndebourne und co gesungen haben, treten gemeinsam mit Stephanie Blythe auf. Erstere singen überwiegend gut mit teilweise ganz starken Momenten. Besonders schön aufgefallen sind Diana Newman aus dem Programm für junge Sänger der Lyric Opera Chicago als Adele und Tobias Greenhalgh als Dr. Falke. Stephanie Blythe als eingekaufter Star der Produktion polterte in den Orlofsky, dass einem Angst und Bange wurde. Zunächst habe ich überlegt, ob sie es ist oder tatsächlich ein Mann, der noch nie gesungen hat auf die Bühne geschubst wurde. Denken musste ich an Piper Laurie in Twin Peaks als Mr. Tojanura. Mein Sitznachbar sank in den Stuhl und hielt sich den Mund zu und ich sah nur noch große Augen neben mir. Einen derartigen Auftritt habe ich noch nie gesehen und es wurde nur mäßig besser. Gegen Ende des Fests hat Frau Blythe als Gastgeber für ihren Besuch ein Nessun Dorma „geschmettert“ und ich überlebte dabei den absurdesten Opernmoment meines Lebens. Gewonnen habe ich die Erkenntnis, dass Liebe zur Oper vieles möglich macht und wir in Deutschland wohl arg verwöhnt sind.