"Der ferne Klang", Premiere 31.03.2019

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    • Es ist sehr gut und es ist richtig, dass die als "entartet " abgewerteten Werke der emigrierten Komponisten eine Renaissance erleben und vom Publikum so positiv aufgenommen werden.Dabei ist es völlig egal, ob es um Oper, Operette oder sinfonische Musik geht. Zwischen Richard Strauss und der Moderne gibt es viel zu entdecken. und der Publikumszuspruch sollte doch wirklich Mut machen, diese Werke adäquat aufzuführen. Sicher sind die Handlungen der Opern nicht selten sehr schräg, aber das sind sie beim Troubadour oder der Macht des Schicksals nicht weniger. Und wenn es Sängerinnen und Sänger git, die den Anforderungen gewachsen sind, sollte dies allemal Grund sein, die Chance zu nutzen.
    • „Der ferne Klang“ hat mir sehr gut gefallen. Nach langer Zeit eine rundum gelungene Inszenierung, die die technischen Möglichkeiten nutzt, sie aber einzuordnen weiß. Ich empfand die Thematik nicht als krude. Vor allem im dritten Akt, wenn der letzte Akt der von dem Komponisten auf die Bühne gebrachten Oper durchfällt und der Protagonist aus dem Theater gejagt wird (oder flüchtet), hat mich sehr berührt, denn die Nazis haben Aufführungen von Werken des „Halbjuden“ Schreker schon vor der „Machtergreifung“ gesprengt. Musikalisch ein Werk, das in seiner Zwischenzeit nach ziemlich allem greift, auch Debussy läßt grüßen. Hinsichtlich der Sängerinnen und Sänger einschließlich des Chores hat es mir auch wirklich gut gefallen. Den Franz sang Jan Koziara, ein junger US-amerikanischer Tenor mit einem angenehmen Timbre und den notwendigen Fähigkeiten für die Partie, was ich in Frankfurt immer mal wieder vermisse, gut gemacht und das auch noch in hervorragendem Deutsch. Die Greta sang Jennifer Holloway, sie gab ihr Debüt in Frankfurt. manchmal klang sie mir zu scharf und undeutlich, aber es ist auch eine große Partie. Fast alle anderen Solisten aus dem Ensemble sind gute Bekannte, sie hätten etwas euphorischeren Beifall verdient gehabt. Sebastian Weigle -schon als bester Strauß-Dirigent ausgerufen (Ironie-Taste wieder aus)- hat ein gutes Dirigat abgeliefert, sehr differenziert, aber auch wieder gerne so laut, daß die Sänger dahinter verschwanden.

      Hingehen? Hingehen!!
      Für den 4. und 11. Mai gibt es noch Karten (am 4. Florian Erdl am Pult)
    • In welcher Vorstellung waren Sie denn? Ich bin gerade aus der Vorstellung (15:30 am 28.4.) gekommen. Es war meine erste Begegnung mit dem Werk. Die Oper hat mir musikalisch sehr gut gefallen, die Inszenierung fand ich gefällig, aber ziemlich nichtssagend. Was die Sänger der beiden Hauptrollen betrifft, bin ich hingegen ganz bei Ihnen. vor allem zu Beginn hatte Holloway eine etwas unangenehme Schärfe in der Stimme. Das hat sich dann aber gegeben. Und der junge Jan Koziara hatte schon viel heldischen Stahl in der Stimme, das hat mir auch sehr gut gefallen. Das soll es erst mal gewesen sein, da ich gesundheitlich etwas angeschlagen bin. Aber Asteria wird sicher ausführlicher schreiben, sie war mit uns in der Vorstellung.
    • 28. April 2019

      Asteria schrieb:

      Frau Pflaumbaum überschlägt sich förmlich vor Begeisterung:

      hr2.de/musik/der-ferne-klang--…hreker_frankfurt-100.html
      Dieser uneingeschränkt positiven Kritik kann ich mich nur bedingt anschließen - zumindest die Inszenierung ist zwar sehr ästhetisch, aber auch irgendwie etwas beliebig (zu prächtig wogenden Klängen werden prächtig wogende Farben und Formen auf halbtransparente Prospekte projiziert)... Von den hinter den gleichen Prospekten stumm agierenden gealterten Liebespaaren sind auch ein paar zu viele unterwegs, aber die Personenführung der Protagonisten ist weitestgehend in Ordnung.

      Schambes schrieb:

      Ich empfand die Thematik nicht als krude.
      Ich auch nicht - sie ist wie im richtigen Leben: Mann opfert ihn liebende Frau zugunsten seiner Karriere und scheitert dann trotzdem ;o}

      Schambes schrieb:

      Sebastian Weigle -schon als bester Strauß-Dirigent ausgerufen (Ironie-Taste wieder aus)- hat ein gutes Dirigat abgeliefert, sehr differenziert, aber auch wieder gerne so laut, daß die Sänger dahinter verschwanden.
      Die Lautstärke des Orchesters war heute nicht zu beanstanden; mit einer Ausnahme waren alle Sänger gut zu hören. Vor allem Jennifer Holloway (Grete) und Jan Koziara (Fritz) begeisterten mit schön differenziertem Gesang und überzeugendem Spiel. Frau Holloway ist anzuhören, dass sie anderswo mit Wagnerpartien unterwegs ist, und Jan Koziara ist vermutlich auf dem Weg zum Heldentenor - wir dürfen auf beider weiteren Weg gespannt sein.

      Zu den Besonderheiten dieser Oper gehört, dass es außer Grete und Fritz keine weitere wirklich große Rolle gibt, und eigentlich auch nur eine mittlere: die des Grafen, der im zweiten Akt leidenschaftlich um die zur Edelkurtisane gewordene Grete (nunmehr 'Greta' genannt) wirbt. Gordon Bintner, diese Spielzeit offenbar auf arrogante Schönlinge abonniert, gibt jenem zweifelhaften Charakter Stimme und Statur. Sein Lied von der verwunschenen Krone ist lässt tatsächlich schaudern.
      Auch die kleineren Rollen waren durchweg schön besetzt; beispielhaft möchte ich deren zwei nennen: Anthony Robin Schneider (künftiges Ensemblemitglied) als Gastwirt, der hier den Prototypen des (zum Schein?) gutherzigen Prolls gibt (wer sich mal einen grippegebeutelten Nachmittag lang Gerichtsshows angesehen hat, weiß, was ich meine...) sowie Dietrich Volle als Dr. Vigelius, den Jahre, nachdem er aus Jux und Dollerei Gretes Vater dazu angestiftet hatte, seine Tochter als Einsatz beim Wettkegeln zu Verfügung zu stellen, das schlechte Gewissen verzehrt.


      Zu der Musik selber fiel mir Discmans hübsches Zitat von vor einem Jahr ein:

      Discman schrieb:

      I hate people who insist that operas I don't know are neglected masterpieces.
      I hate people who don't realise that Der ferne Klang is a masterpiece.
      Ich bin mir da allerdings nicht ganz sicher - die Musik ist zweifelsohne schön, und namentlich im letzten Akt schwingt sie sich, vor allem in den rein orchestralen Passagen, zu wirklich beeindruckendem Wohlklang auf; aber trotzdem hat sie mich nicht wirklich mitgerissen. Vielleicht bedarf es ja eines zweiten Eindrucks - mal sehen, ob ich das noch auf die Reihe bekomme. I'll keep you on the running.
      ... Wunder warten bis zuletzt.
    • Asteria schrieb:

      Ich auch nicht - sie ist wie im richtigen Leben: Mann opfert ihn liebende Frau zugunsten seiner Karriere und scheitert dann trotzdem ;o}
      Das ist aber jetzt ein bißchen kurz gesprungen. Der junge Komponist ist von der Idee erfaßt, einen ihm ertönenden Klang zu binden (oder bannen), weil er ihn benötigt, -nach seinen Vorstellungen - um eine erfolgreiche Oper zu kreieren. Selbstverständlich will er damit auch den Erwerb von Ruhm, künstlerischer Meisterschaft und natürlich: Geld verbinden. Erst dann will er zu Greta zurückkehren. Er opfert Greta nicht, denn er hat ja auch nichts. Diese Töne hört er wieder, wenn er Greta 10 Jahre später in diesem Edelbordell in Venedig antrifft, verknüpft sie aber wieder nicht mit dieser Frau (wie auch?).Erst als es nach dem Theater-Desaster ( die Oper heißt "Die Harfe")dem Ende zu geht und ihm angetragen wird, den letzten Akt seines Werkes mit Hilfe des fernen Klangs neu zu komponieren, ist er hierzu nicht mehr in der Lage und stirbt in den Armen der zuvor mehrfach zurückgewiesenen Frau. Das is jetzt nicht sensationell, andere suchten die Blaue Blume der Romantik, aber so völlig platt auch nicht.
    • Schambes schrieb:

      Der junge Komponist ist von der Idee erfaßt, einen ihm ertönenden Klang zu binden (oder bannen), weil er ihn benötigt, -nach seinen Vorstellungen - um eine erfolgreiche Oper zu kreieren. Selbstverständlich will er damit auch den Erwerb von Ruhm, künstlerischer Meisterschaft und natürlich: Geld verbinden
      Damit bestätigen Sie doch Asteria. ?(

      Schambes schrieb:

      Er opfert Greta nicht, denn er hat ja auch nichts.
      Man kann also jemanden nur opfern, wenn man etwas besitzt? ;( (Fritz hat natürlich nicht nichts, zumindest hat er Talent und gutes Aussehen, jedenfalls in Gretes Augen.)
    • Schambes schrieb:

      Der junge Komponist ist von der Idee erfaßt, einen ihm ertönenden Klang zu binden (oder bannen), weil er ihn benötigt, -nach seinen Vorstellungen - um eine erfolgreiche Oper zu kreieren. Selbstverständlich will er damit auch den Erwerb von Ruhm, künstlerischer Meisterschaft und natürlich: Geld verbinden. Erst dann will er zu Greta zurückkehren.
      Ja, eben: er verlässt die, um vielleicht später (nämlich im Erfolgsfall) zu ihr zurückzukehren - er opfert sie seinem Streben nach Ruhm und Reichtum.

      Schambes schrieb:

      Er opfert Greta nicht, denn er hat ja auch nichts.
      Die Logik erschließt sich mir nicht so ganz... Falls Ihnen der Wort 'opfert' so sehr unpassend scheint, ersetzen Sie es durch 'im Stich lassen'; denn dass Fritz genau das tut, werden auch Sie nicht bestreiten: er weiß um Gretes trostlose familiäre und soziale Situation und lässt sie dennoch damit alleine.
      ... Wunder warten bis zuletzt.