Wiesbaden 2019/2020

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    • JLSorel schrieb:

      Die machen Tristan mit Lance Ryan??!! Das kann doch wohl nicht deren Ernst sein!
      Und das noch in der Eröffnungspremiere der Maifestspiele. Aber auch sonst gibt es "Lustiges", wie den Cavaradossi von Andreas Schager, und das sogar im Repertoire. Volle gibt im Mai den Holländer, Kasarova singt Azucena. Und Aaron Cawley alles, was bei drei nicht auf den Bäumen ist.

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von RagnarDanneskjoeld ()

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      Der Rosenkavalier

      Ein Kleinwüchsiger, der eine Frau tröstet, die Pech in der Liebe hat, wo hatten wir das zuletzt? Richtig, beim Tannhäuser in Bayreuth. Und jetzt wieder beim Rosenkavalier in Wiesbaden. Der 'kleine Neger' ist zum Tabletthalter mutiert und stattdessen wartet der Feldmarschallin ein Kleinwüchsiger auf, der ihr, wenn sie am Ende allein an einem Tischchen des 'gemeinen Beisls' sitzt, Trost spendet.

      Wenn sich der Vorhang zum ersten Akt hebt, sehen wir in der Bühnenmitte ein großes Bett, in und neben dem die Feldmarschallin und Octavian eben mit den im Vorspiel geschilderten Vorgängen zugange sind (ob Frau Harteros das bei den Mai-Festspielen nächstes Jahr in dieser Drastik mitmachen werde, bleibe abzuwarten, meinte ein Besucher in der Pause).Das Bühnenhalbrund im Hintergrund ist mit weißen Vorhängen gefüllt, auf die, während die Antichambre hereingelassen wird, Videos projiziert werden, die Ballszenen der besseren Gesellschaft zeigen, Schlachtfelder des ersten Weltkrieges zeigen, Soldaten, Panzer etc.
      Die Überreichung der Silberne Rose durch den in diesem Fall sichtlichen angeheiterten Octavian findet in dem etwas unpersönlich-zugigen Saal des Herrn Faninals statt, der offensichtlich ein Kriegsgewinnler ist: im Hintergrund dreht sich ein goldener Panzer (der allerdings eher im 2. WK zu verorten ist).
      Schauplatz der wienerischen Maskerad' des dritten Aktes ist ein Bordell, Tingeltangel... jedenfalls ein Amüsierbetrieb mit Damen. Dabei weisen die Damenkapelle und der Wirt als Wirtin eher auf das Berlin der 20er Jahre hin als auf Wien (aber vielleicht gab des dergleichen ja auch an der Donau). Am Ende findet sich die Marschallin, nach dem sie einen reichlich theatralischen Zusammenbruch erlitten hat, alleine an einem Tischchen wieder, wo sich die eingangs erwähnte Szene abspielt. Unter den letzten Klängen der Musik räumt die Wirtin mit ihren Damen das im Verlauf des Aktes arg ramponierte Beisl wieder auf. Inszeniert hat Nicolas Brieger, der auch schon die Meistersinger letzte Saison verantwortete.

      Musikalisch gab es Licht und Schatten. Nicola Beller Carbone als Feldmarschallin wartete mit einer für meinen Geschmack etwas zu kleinen Stimme auf, sie hatte Mühe das nicht sonderlich große Wiesbadener Haus zu füllen. Den ganzen Abend über blieb sie eher farb- und ausstrahlungslos. Von Werdenberg'scher Souveränität war wenig zu spüren, möglicherweise der Regie geschuldet. Sehr viel spielfreudiger der Octavian von Silvia Hauer, die jedoch zu einem unangenehm-nervösen Tremolieren neigte. Am besten von den drei Damen schlug sich allerdings Aleksandra Olczyk als Sophie, die mit klar geführter Stimme sowohl sängerisch als auch darstellerisch voll überzeugte. Recht prominent besetzt der Ochs mit Karl-Heinz Lehner, der an Karl Lagerfeld gemahnend zur eigentlichen Hauptperson an diesem Abend wurde. In guter Form, ja tadellos präsentierte sich das Hessische Staatsorchester und Patrick Lange an diesem Abend. Leider ist das ja beileibe nicht immer so.
      Mit anderen Worten: ein ganz netter Abend, mit Anja Harteros bei den Maifestspielen wird das aber wohl eine ganz andere Geschicht'.
      It is only shallow people who do not judge by appearances. The true mystery of the world is the visible, not the invisible. Oscar Wilde