Paris: "Le postillon de Lonjumeau" (7.4.2019)

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    • Paris: "Le postillon de Lonjumeau" (7.4.2019)

      Nein, ein wirklich kluges Werk ist der "Postillon" von Adam Adolphe wirklich nicht. Es lohnte sich nicht, die Geschichte des Gespannführers, der seine Frau noch vor der Hochzeitsnacht verlässt, um eine Karriere als Startenor anzutreten, sich dann zehn Jahre erneut in dieselbe Frau verliebt, sie aber nicht wiederkennt und ihrer "Rache" ins Messer läuft, wenn sie nicht auf diese Weise bereits ausreichend geschildert worden wäre. Regisseur Michel Fau hätte sich natürlich die Frage stellen können, inwieweit eine großbürgerliche Gesellschaft die vermeintlich heile Welt des Absolutismus wieder aufleben lässt oder sie doch karikiert. Hätte, hätte, Fahrradkette. Fau will dem Publikum einfach nur gute Laune machen, und das tut er auch, tatkräftig von seinem Bühnenbildner Emmanuel Charles und Kostümmacher Christian Lacroix unterstützt, die eine bonbonfarbene Welt kreieren, die fast mehr Popart als Dix-septieme ist. Sébastien Rouland dirigierte mit viel Schwung, so dass die ganze Reihe voller Rentner vor mir bereits bei der Ouvertüre mit den Köpfen hin und her wippten.

      Fau selber spielt auch die Travestierolle der Rose, der waschechte Spielbariton Laurent Kubla singt den Biju - und beide sind hinsichtlich ihrer Aussprache repräsentativ für das ganze Ensemble. Und vorbildlich: man versteht jedes Wort. Da mag sich so manche südkoreanische Königin der Nacht ("Bösawickt") eine Scheibe abschneiden. Florie Valiquette sing-spielt die verlassene Madeleine mit soubrettigem Charme, verblasst aber angesichts eines umwerfenden Michael Spyres in der Titelpartie. Man meint ja oft, dass dessen Auftritts"lied" mit hohem d schwer sei. Das will ich nicht in Abrede stellen, aber angesichts der vokalen Entwicklung hören wir hier nur eine Art Aufwärmen, denn spätestens im dritten Akt wirft Spyres mit weit mehr und noch höheren Tönen (bis zum f) um sich, dass einem angst und bange wird. Der Jubel nach der letzten Arie kannte keine Grenzen - und Spyres bewies ausreichend Gespür als ein, zwei überkorrekte Zuschauer sich lautstark beschwerten, dass andere in die letzten Takte hineingeklatscht hätten, was wiederum mit lautem Stöhnen quittiert wurde und dieser die Situation dann mit viel Charme entschärfte. In jeder Hinsicht: ein Naturereignis.

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      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von RagnarDanneskjoeld ()