"Wozzeck" , 07.04.2019

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • "Wozzeck" , 07.04.2019

      Spät, aber von Herzen noch ein paar Gedanken zur Wiederaufnahme...

      Da hatte ich wegen Urlaub, Wochenendarbeit, Familienfest usw. diese Oper jahrelang verpasst, um sie dann auf den letzten Drücker (vorletzte Vorstellung überhaupt) doch noch zu erleben... Es war leider großartig: Christof Loys Regie sowieso, und die sängerisch-darstellerischen Leistungen auch. Nun wird Alban Bergs Schaffen mir zwar auch den Rest meines Lebens relativ fremd bleiben, aber ich habe wieder einmal festgestellt, dass optische Unterstützung bei der akustischen Aufnahme sehr hilft.

      In der Einführungsveranstaltung (von der charmanten Iris Winkler deutlich eloquenter und sicherer vorgetragen, als das sonst bei der xten Wiederaufnahme der Fall ist) wurde darauf hingewiesen, dass man in der Inszenierung gezielt darauf verzichtet habe, die existenzbedrohende Armut der Protagonisten eigens hervorzuheben; in der Tat hätte das vermutlich nicht zur Verdichtung der seelischen und physischen Katastrophe beigetragen. Die fein ausgearbeiteten Charakterstudien wurden kongenial unterstützt von Herbert Murauers Bühnenbild – düster und beengend zwischen anthrazitgrauen Wänden, traumschön und dennoch unheimlich in den Szenen am See; noch zu besichtigen auf der Homepage der Oper.
      Das Ensemble war bis in die kleinsten Rollen vorzüglich besetzt. Ungeachtet der beeindruckenden Leistung Audun Iversens als Wozzeck hat mich am meisten Claudia Mahnke in der Rolle der Marie berührt und überzeugt: ihr aufrichtiges, aber vergebliches Bemühen, Wozzeck in seinem Wahn zu verstehen und ihre wohl als Flucht zu wertende Hinwendung zu dem Tambourmajor auf der einen Seite und ihre bedingungslose Mutterliebe auf der anderen machten diese Figur zur eigentlichen Hauptrolle.
      Nicht falsch verstehen: auch Audun Iversen beeindruckte durchaus als ein (fast) normaler, wenn auch reichlich introvertierter Typ, der nur leider diese fixe Idee vom bevorstehenden Untergang hat, worin ihn die Ereignisse durchaus bestärken.
      Dumm ist er nicht, aber „Er denkt zuviel“, wie sein Hauptmann, der eben dies ungeachtet pseudo-philosophischer Gespräche oder vielmehr Monologe vermutlich eher nicht tut, gerne vorhält. Peter Marsh hatte die Rolle dieses mit seiner Jovialität zu Katastrophe bei- und daher kaum zu ertragenden Menschen von Peter Bronder übernommen.
      Ein noch üblerer Charakter war der Doktor (Alfred Reiter), der mit Wozzeck seltsame ernährungtechnische Experimente veranstaltet und ansonsten dem Unglück anderer mit einer Mischung aus freudigem Interesse und Zynismus begegnet. Oskarreif fand ich seine Reaktion, wenn der Hauptmann beim Spaziergang am See (sinngemäß) feststellt: „Das klingt, als würde einer ertrinken“: ein mit sich vor Begeisterung schier überschlagender Stimme hervorgekiekstes „Ja!“
      Fehlt noch wer? Ach ja – der Tambourmajor... Obwohl diese Rolle per se kein Sympathieträger ist, nahm ich Vincent Wolfsteiner seine (wenn auch vielleicht nicht auf Dauer angelegte) Zuneigung zu Marie durchaus ab.
      ... Wunder warten bis zuletzt.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Asteria () aus folgendem Grund: Flüchtigkeitsfehler korrgiert