"Le Nozze di Figaro", 14.04.2019

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    • "Le Nozze di Figaro", 14.04.2019

      Spät, aber von Herzen – die zweite...

      In der Premierenserie 2007 war ich von Guillaume Bernardis Inszenierung, mehr noch von der Ausstattung (Moritz Nitsche und Peter De Freitas) nicht sonderlich angetan, und auch jetzt finde ich einige Dinge etwas sonderbar, aber ein überaus spielfreudiges und ziemlich junges Ensemble aus hauseigenen Kräften machte das rasch vergessen.
      Ich habe auf der Bühne lange kein so entzückendes Liebespaar mehr gesehen wie Susanna (Sydney Mancasola) und ihren Figaro (Iain MacNeil aus dem Opernstudio). Beide sangen und spielten so unprätentiös und frisch, dass es eine Freude war, ihnen zuzuhören bzw. zuzuschauen.
      Beider Arbeitgeber tun sich bekanntlich mit der ehelichen Liebe recht schwer: der Graf (Gordon Bintner als (selbst)verliebter eitler, aber schönstimmiger Gockel) begibt sich gerne auf erotische Abwege, worunter die Gräfin begreiflicherweise sehr leidet. Kirsten MacKinnon zeigte eine Frau, die ihren Gatten ebenso liebt wie fürchtet (das Libretto macht daraus auch keinen Hehl, aber meistens findet dieser Aspekt nur wenig Eingang in die Regie); andererseits schien sie den tapsigen Avancen ihres Patenkindes Cherubino gar nicht so abgeneigt.
      Jenen Pagen spielte und sang Cecelia Hall als charmanten, aber auch etwas anstrengenden und leicht impertinenten Jüngling – nicht ganz so sympathisch, wie man das sonst kennt, aber sehr erfrischend. Die kleine Barbarina (Florina Ilie) wird noch viel Freude an ihm haben (oder er an ihr – sie ist ja auch nicht ganz ohne...)
      Judita Nagyová war eine ziemlich jugendliche Marzelline (hat die nicht eigentlich auch eine kleine Arie?) und gab mit Anthony Robin Schneider (Bartolo) ein wunderbar überspanntes Intrigantenpaar in phantastisch anmutenden Kostümen.
      Unter Lawrence Fosters Leitung spielte das Orchester frisch und elastisch, klang aber trotzdem manchmal etwas trocken.

      Alles in allem: eine schöne Repertoireaufführung, die Spaß machte und gutgelaunte Zuschauer in die milde Frühlingsnacht entließ.
      ... Wunder warten bis zuletzt.
    • in der Dorn-Produktion war die Marcellina-Arie nicht "drin", sondern wurde nur von Fujimura gesungen, wenn die ausnahmsweise als Marcellina angesetzt war; die Basilio-Arie war hingegen Bestandteil der Dorn-Produktion. In der Guth-Produktion in Salzburg waren beide Arien ungekürzt zu hören...

      Bei Loy ist die Basilio-Arie bisher drin, anstelle der Marcellina-Arie singt diese (bisher immer Anne Sofie von Otter) die "Abendempfindung" von Mozart; ein sehr kluger "Eingriff", den von Otter und Carydis damals vereinbart haben (und leider der einzige gute Einfall der Produktion).
    • ira schrieb:

      maestro schrieb:

      Bei Loy ist die Basilio-Arie bisher drin, anstelle der Marcellina-Arie singt diese (bisher immer Anne Sofie von Otter) die "Abendempfindung" von Mozart
      Danke! Jetzt erinnere ich mich wieder.

      maestro schrieb:

      (und leider der einzige gute Einfall der Produktion).
      Kann man so sagen......
      Ernsthaft?? (Wir reden doch von Christof Loy, dem besten Mozart-Regisseur weit und breit, oder?)
      ... Wunder warten bis zuletzt.
    • Discman schrieb:

      Was hat ein deutsches Kunstlied in einer italienischen Buffa zu suchen?
      Das ist nicht die einzige "Verfremdung", die wir in München haben.
      Z.B. die "Sizilianische Vesper": mittendrin ein Techno-Totentanz.
      Oder "Fidelio": anstelle der Leonoren III (die wurde zu Beginn gespielt) ein Beethoven Streichquartett.
      Von diesen Beispielen paßte die "Abendempfindung" noch am besten.
    • RagnarDanneskjoeld schrieb:

      Für mich war das genannte Streichquartett ein ergreifender Moment, bei dem ich heute noch beim bloßen Zurückdenken Gänsehaut bekomme.
      Das mag sein. Bei mir ist es nur leider so, daß ich von Streichquartetten (vor allen bei Beethoven) generell Gänsehaut bekomme. Aber anders als Sie...Aber das ist eine persönliche Empfindung und ich kann mir gut vorstellen, daß andere das anders sehen.
      Generell muß man es nicht gut finden, wenn in ein Werk andere Stücke eingefügt werden, die da eigentlich nichts zu suchen haben.
      Außer beim Ball des Prinzen Orlofsky als Einlagen.
    • Ach hören Sie doch auf, Reingold. Ich weiß nicht, was an diesen beiden obigen Zitaten ein Hinweis darauf ist, daß ich "etwas entscheide", aber diese Bemerkung, die von Ihnen nichts Neues ist, kenne ich ja nur zu gut auch von jemand anderem.......
      Ich sage meine Meinung, daß ich oder jemand anders das nicht gut finden muß, und mit der bin ich nicht allein, wie Sie sehen (Der Beitrag Nr. 14 von JLSorel hat immerhin 4 Likes).
      Wenn Sie Ihre Meinung sagen, frage ich Sie ja auch nicht, ob das mal wieder Sie entscheiden!

      Reingold schrieb:

      Immerhin auch ein Eingriff in die Komposition.
      Es ist dennoch ein Unterschied, wenn man ein Stück einfügt, das mit der Komposition nichts zu tun hat.
      (Meine Meinung, Sie können gerne was anderes "entscheiden")
      Daß die Leonoren III zum "Fidelio" gehört, dürfte dennoch keine Frage der "Entscheidung" sein.

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von ira ()